Raniero Capocci
Kardinal der katholischen Kirche
ie Nachricht, Rainer sei Zisterzienser und Abt von Tre Fontane gewesen, geht auf den ersten Band der Italia Sacra aus dem Jahre 1644 des Ferdinando Ughelli zurück, der selbst Abt dieses Klosters war. Zeitgenössische Quellen dafür gibt es nicht. Gemeinsam mit Jakob von Pecoraria vertrat er jedoch zisterziensische Interessen im Kardinalskollegium. Da er zeitlebens dem ordo der Kardinaldiakone angehörte, verfügte er wahrscheinlich nicht über die Weihegrade für das Amt eines Abtes.
Unter Papst Innozenz III. wurde er Notar und im Frühjahr 1216 Kardinaldiakon von Santa Maria in Cosmedin. Als päpstlicher Legat wirkte er im Languedoc während des Albigenserkreuzzugs. Dort lernte er Domingo de Guzmán kennen, dessen neu gegründeten Orden er später an der Kurie in Rom förderte. Papst Honorius III. bestellte ihn zum Rektor des Patrimonium in Tuszien und zum Vikar seiner Heimatstadt Viterbo. Im Jahr 1234 führte Raniero päpstliche Truppen gegen die revoltierende Stadtbevölkerung von Rom. Mit Unterstützung kaiserlicher Truppen brachte er Viterbo wieder unter päpstliche Kontrolle und wehrte einen Entsatz der Römer in einer Schlacht ab. Im Frühjahr 1235 unterwarfen sich die Römer erneut der Oberhoheit des Papstes.
Im Konflikt zwischen Papst und Kaiser, der 1239 ausbrach, war Raniero ein entschiedener Gegner Kaiser Friedrichs II. und bekämpfte ihn vor allem mit Flugschriften. Die Unterwerfung der Viterbesen unter den Kaiser 1240 verstärkte diese Feindschaft. Im Manifest „Ascendit de Mari“, verfasst im Auftrag Papst Gregors IX., nannte er den Kaiser Antichrist und eine die katholische Welt vernichtende Bestie. Unter Papst Innozenz IV. wurde er zum Haupt der Kriegspartei im Kardinalskollegium. Im September 1243 brachte er Viterbo zurück ins päpstliche Lager und verteidigte die Stadt gegen ein kaiserliches Heer, unterstützt von der jungen Rosa von Viterbo. Als der Papst 1244 nach Lyon floh, blieb Raniero in Italien.
1245 wurde Viterbo vom Kaiser überfallen und gebrandschatzt. Raniero verschärfte daraufhin seine Propaganda, die maßgeblich zur Bannung des Kaisers auf dem Konzil von Lyon beitrug. 1246 unterlag er mit einem guelfischen Heer aus Perugia und Assisi in einer Feldschlacht, 1247 eroberte der Kaiser Viterbo zurück. Nach der Verurteilung und Hinrichtung des Bischofs Marcellino von Arezzo durch ein kaiserliches Gericht 1248 rief Raniero zur Vernichtung der Staufer auf. 1249 bestätigte er die Gründung des Servitenordens. Er starb am 27. Mai 1250, wenige Monate vor dem Kaiser, und wurde in Citeaux bestattet. In Viterbo entstand vor dem Hauptaltar der von ihm gebauten Kirche Santa Maria dei Gradi ein Monument. Leonardo Fibonacci widmete ihm eine Schrift.