Reichsstadt Schlettstadt
Territorium des Heiligen Römischen Reiches
m Bereich des späteren Schlettstadt gründete das Kloster Conques 1095 eine Propstei, die auf einer staufischen Schenkung beruhte. Die Vogtei über diese Propstei lag weiterhin bei den Staufern. Im 12. Jahrhundert entstand um die Propstei eine Marktsiedlung, aus der sich die spätere Stadt entwickelte.
König Friedrich II. erhob die Siedlung vermutlich 1215/16 zur Stadt. 1217 einigten sich König und Propst über ihre beiderseitigen Rechte in der Stadt. Im Interregnum versuchte der Bischof von Straßburg vergeblich, Zugriff auf die Stadt zu erlangen. 1292 erhielten die Bürger von König Adolf ein Stadtrecht nach dem Vorbild von Colmar, das 1330 durch Kaiser Ludwig IV. bestätigt und erweitert wurde. 1354 wurde Schlettstadt Mitglied des Zehnstädtebundes, der die Unabhängigkeit seiner Mitglieder bis ins 17. Jahrhundert gegen benachbarte Territorialherren sicherte. In der Renaissance war die Stadt ein Zentrum des Humanismus am Oberrhein mit einer berühmten Lateinschule. Im Reichsstädtekollegium hatte sie einen Sitz in der Rheinischen Bank. Bauernkrieg und Dreißigjähriger Krieg leiteten den Niedergang ein. 1632 eroberten die Schweden die Stadt und überließen sie 1634 den Franzosen. Im Westfälischen Frieden 1648 erhielt Frankreich mit der Landvogtei Hagenau die Schutzherrschaft und Souveränität über Schlettstadt und die anderen elsässischen Reichsstädte, wobei eine Bestandsgarantie die französische Oberhoheit nicht beeinträchtigen durfte.
Zunächst war Frankreichs Machtstellung in der Dekapolis eingeschränkt, da es bis 1659 gegen Spanien kämpfte und Fronde sowie die Minderjährigkeit Ludwigs XIV. die Autorität der Krone begrenzten. So behaupteten die Städte vorläufig ihre Reichsunmittelbarkeit und sandten weiter Vertreter zum Reichstag. 1661 verlangte der französische Landvogt Armand-Charles de La Porte den Treueid, den die zehn Reichsstädte am 10. Januar 1662 in Hagenau leisteten. Die endgültige Machtübernahme erfolgte während des Holländischen Krieges. 1673 usurpierte Ludwig XIV. die Stadt, ließ die alten Mauern abreißen und zwei Jahre später neue Befestigungen errichten.