Reichsstadt Worms
Territorium des Heiligen Römischen Reiches
Vorgeschichte
orms bestand bereits als römische Siedlung unter dem Namen Borbetomagus und blieb nach dem Zerfall des Römischen Reichs bewohnt. Spätestens ab dem 7. Jahrhundert gab es einen Bischofssitz. 979 übertrug Kaiser Otto II. dem Bischof Hildebold Rechte, die zuvor Otto II. selbst besessen hatte, wodurch der Bischof Stadtherr wurde. Mit den Saliern begann der Aufstieg der Stadt. Im Winter 1073/74 stellte sich Worms auf die Seite König Heinrich IV., vertrieb Bischof Adalbert II. und gewährte dem König Schutz. Dafür erhielt die Stadt am 18. Januar 1074 Zollfreiheit, die erste Königsurkunde an Bürger einer Stadt. Dies prägte fortan das Verhältnis zwischen Bürgerschaft, Bischof, König und später der Kurpfalz. Im Laufe des 12. Jahrhunderts festigte sich die innere Struktur der Stadt, und ab dem 13. Jahrhundert erscheint ein Stadtrat in den Urkunden.
Entstehung
Der Status Reichsstadt beruht nicht auf einem einzelnen Rechtsakt, sondern auf einer langen Entwicklung. Nach der Urkunde von 1074 folgten unter Kaiser Heinrich V. 1112 und 1114 weitere Privilegien, deren Urkunden allerdings zugunsten der Stadt verfälscht wurden. Kaiser Friedrich I. bestätigte und erweiterte 1184 die Privilegien. Ende des 12. Jahrhunderts wird die Beteiligung von Bürgern an der Stadtregierung erkennbar. 1232 scheiterte der Versuch der Bürger, sich von der bischöflichen Herrschaft zu lösen. 1233 kam es zu einer Rachtung zwischen Bischof und Bürgern, die das Wahlverfahren des Stadtrates regelte und dem Bischof erheblichen Einfluss sicherte. Die Stadt kämpfte weiter, mit wechselndem Erfolg, aber langfristig erfolgreich um Emanzipation von der bischöflichen Stadtherrschaft. In diese Zeit fällt auch die erste Erwähnung der heute nicht mehr bestehenden Kilianskirche.
Freie Stadt
Am Ende des 15. Jahrhunderts versuchte Bischof Johann von Dalberg erneut, die Stadtherrschaft an den Bischof zurückzubringen, was misslang. 1489 entschied Kaiser Friedrich III., dass die Stadt keinen Huldigungseid gegenüber dem Bischof mehr leisten müsse. 1494 huldigte Worms König Maximilian I., spätestens ab diesem Zeitpunkt war die Stadt Freie Reichsstadt. Im Reichsstädtekollegium des Reichstages hatte Worms einen Sitz in der Rheinischen Bank. Nach der Reformation wurde die Stadt mehrheitlich lutherisch, und der Stadtrat übte das landesherrliche Kirchenregiment aus. Die Zugehörigkeit zur Lutherischen Kirche war Voraussetzung für eine Ratsmitgliedschaft, auch wenn wegen des Bischofssitzes und zahlreicher Klöster und Stifte weiterhin eine römisch-katholische Minderheit bestand.