Rekatholisierung
zwangsweise Durchsetzung weltlicher Machtinteressen im Gefolge kirchlicher Machtpolitik
eit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 galt der Grundsatz, dass der Landesherr die Konfession seiner Untertanen bestimmte. Rekatholisierung bedeutete die Wiedereinführung des katholischen Gottesdienstes in Pfarrkirchen, in denen zuvor lutherische oder reformierte Gottesdienste gehalten worden waren, zum Teil gestützt durch Bündnisse wie die Katholische Liga. Lutherische oder reformierte Pfarrer wurden vertrieben, katholische eingesetzt. Menschen, die seit zwei bis drei Generationen evangelisch gewesen waren, wurden gezwungen, katholisch zu werden, mit lateinischer Messe, Verbot der Priesterehe und des Laienkelchs, Heiligenverehrung, Prozessionen und Wallfahrten. Sie galten durch ein Edikt des Landesherrn wieder als katholische Gemeindezugehörige. Den Unterricht in der neuen Konfession übernahmen vielfach Jesuiten.
In Innerösterreich betrieb Karl von Innerösterreich die Rekatholisierung, verbot den Besuch protestantischer Kirchen und gründete die Universität Graz. Unter Ferdinand II. wurden die Maßnahmen verschärft: Reformationskommissionen vertrieben protestantische Geistliche und Lehrer, ersetzten Funktionsträger durch Katholiken und veränderten die Ordnungen der Städte. Widerstand galt als Aufruhr und wurde militärisch niedergeschlagen. Prediger wurden vertrieben, protestantische Bücher verbrannt, Kirchen teilweise zerstört und evangelische Schulen geschlossen. Wer nicht konvertieren wollte, verlor die Bürgerrechte und musste auswandern. Bis 1609 war die Rekatholisierung in Innerösterreich nach außen hin abgeschlossen.
Im Königreich Böhmen war nur eine Minderheit von etwa 10 bis 15 Prozent katholisch. Schon unter Ferdinand I. erhielten die Jesuiten die Erlaubnis zur Niederlassung und gründeten eine Universität zur Ausbildung einer katholischen Elite. Rudolf II. verstärkte seit den 1590er Jahren die Rekatholisierungspolitik, stieß aber auf Widerstand. Der Majestätsbrief von 1609 unterbrach diese Entwicklung, doch die weiteren Rekatholisierungsversuche trugen zum Prager Fenstersturz und zum böhmischen Aufstand bei. Nach dem Sieg am Weißen Berg 1620 wurde die Rekatholisierung in Böhmen, Mähren und der Grafschaft Glatz durchgesetzt, mit Ausnahme Schlesiens. Protestantischer Adel verlor Besitz und musste das Land verlassen, während Bauern die Auswanderung verboten wurde.
Auch die Wittelsbacher trieben die Rekatholisierung voran. Nach seiner Konversion 1614 setzte Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg sie in Pfalz-Neuburg mit Härte durch, während dies am Niederrhein nicht vollständig gelang. Seit 1623 rekatholisierte Maximilian von Bayern die Oberpfalz, 1628 wurde der Katholizismus zur alleinigen Konfession erklärt. Jesuiten und Franziskaner trugen den Prozess, Widerstand wurde durch Einquartierung von Soldaten gebrochen. Bis 1675 war dieser Prozess weitgehend beendet. In der Kurpfalz scheiterte eine ähnliche Politik zunächst durch den Verlust des Gebietes und die Rückgabe an protestantische Wittelsbacher nach 1648, wurde aber nach 1685 erneut versucht.