Römer (Frankfurt am Main)
Bauwerk in Frankfurt am Main
er Rat der Stadt kaufte am 11. März 1405 die beiden Bürgerhäuser Römer und Goldener Schwan und machte sie zum Amtssitz. Neben dem Kaiserdom St. Bartholomäus zählten sie zu den bedeutendsten Gebäuden in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches, da hier die meisten Königswahlen und Krönungen stattfanden. Über fast fünf Jahrhunderte wuchs der Rathauskomplex durch Zukäufe von zwei auf elf verbundene Bürgerhäuser. Ende des 19. Jahrhunderts entstand nach Entwürfen von Max Meckel, Franz von Hoven und Ludwig Neher ein großangelegter Neubau, der das heutige Äußere prägt. Fast alle Gebäude brannten bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg aus, sodass im Inneren heute überwiegend schlichte Raumprogramme der Nachkriegszeit zu finden sind.
Durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. war Frankfurt 1356 als rechtmäßiger Ort für Königswahlen bestätigt worden, nachdem seit 1147 schon 14 von 20 Wahlen dort stattgefunden hatten. Mit den beiden Häusern am Römerberg besaß die Stadt nun zwei große und repräsentative Gebäude für Wahlen und Reichstage. Der Römerberg war zugleich Zentrum des Handels, besonders während der Messen. Im Römer fand jährlich zur Herbstmesse das 1380 erstmals erwähnte Pfeifergericht statt, eine zeremonielle Bestätigung der Zollfreiheit für Kaufleute aus Alt-Bamberg, Nürnberg und Worms. Der nahegelegene Main diente als wichtiger Verkehrsweg für Personen und Waren.
1562 beschloss das Kurfürstenkollegium nach der Wahl von Kaiser Maximilian II. auch die Krönung in Frankfurt durchzuführen. Trotz der in der Goldenen Bulle festgelegten Trennung von Wahl- und Krönungsort fanden seitdem fast alle Krönungen in Frankfurt statt. Zuvor hatte die Stadt zwischen dem Schmalkaldischen Krieg 1536 und dem Augsburger Religionsfrieden 1555 mit diplomatischem Geschick ihr lutherisches Bekenntnis von 1530 sowie ihre Privilegien als Messeplatz und Wahlort bewahrt. Dies bedeutete für das Rathaus zunehmend die Bereitstellung repräsentativer Räumlichkeiten für die Reichsobersten.
Im Zeitalter des Absolutismus dienten praktisch alle baulichen Veränderungen des 18. Jahrhunderts am Römer den für Kaiserkrönungen nötigen repräsentativen Räumlichkeiten. Insgesamt sechs Kaiserwahlen und Krönungen erlebte die Stadt in diesem Jahrhundert. 1702 wurde ein Glockentürmchen errichtet. Zur Krönung Josephs I. 1705 wurde das Kurfürstenzimmer im Zeitgeschmack überarbeitet. Die Wahl und Krönung Karls VI. 1711 brachte dem Kaisersaal ein neues Aussehen mit Wandnischen, die der Maler Johann Conrad Unsinger mit Büstenporträts der Könige und Kaiser ab Konrad I. ausmalte.