Schlacht am Kap Colonna
Schlacht zwischen dem Heer des Kaisers Otto II. und dem Heer der Sarazenen
ach dem Tod des byzantinischen Kaisers Johannes Tzimiskes 976 geriet das oströmische Reich in eine Regierungskrise, die den griechischen Besitz in Süditalien den Sarazenenüberfällen auslieferte. Abu al-Qasim drang von Sizilien aus vor, wurde aber zeitweise von Pandulf Eisenkopf, dem langobardischen Fürsten von Capua, Benevent, Spoleto und Salerno, aufgehalten. Nach Pandulfs Tod im März 981 und der Schwäche seiner Nachfolger griff Otto II. in die Auseinandersetzung ein, wobei strittig ist, welche Rolle Kaiserin Theophanu dabei spielte. Otto forderte 2100 Panzerreiter aus allen Teilen des nordalpinen Reichsteiles außer Sachsen an und versuchte zugleich, die Thronfolgewirren bei den Langobarden zu regeln, ohne sein eigentliches Ziel zu gefährden.
Otto II. musste sich zunächst mit Tarent auseinandersetzen, das er trotz starken Angriffs nicht erobern konnte, da Truppen des byzantinischen Kaisers Basileios II. den Angriff zurückschlugen. Am 15. Juli traf das an der Ostküste entlangziehende kaiserliche Heer am Kap Colonna südlich von Crotone auf die Sarazenen. Ohne ausreichende Aufklärung griff das Heer an und schien zu gewinnen, als der Emir fiel, doch es handelte sich nur um die übliche Taktik der schiefen Schlachtordnung. Versteckte sarazenische Reiterei fiel dem rechten Flügel des Reichsheeres in die Flanke, worauf das kaiserliche Heer fast vollständig vernichtet wurde. Otto selbst floh mit wenigen Begleitern, darunter seinem Leibwächter Heinrich Zolunta, warf Waffen und Rüstung ab und wurde von einem byzantinischen Schiff aus dem Wasser gerettet, vermutlich gegen Lösegeld freigelassen.
Beide Seiten erlitten so hohe Verluste, dass der Feldzug faktisch beendet war und sich die Sarazenen nach Sizilien zurückzogen. Die Niederlage erregte im Reich großes Aufsehen. Der Reichstag in Verona am 27. Mai 983 schwächte die Autorität des Kaisers, da die frei gewordenen Herzogtümer Schwaben und Bayern nicht mehr mit Mitgliedern der kaiserlichen Familie besetzt wurden. Die Großen wählten Ottos dreijährigen Sohn Otto zum Mitkönig und krönten ihn in Aachen. Begünstigt durch die Schwächung des Reiches begann am 29. Juni 983 der Lutizenaufstand, in dessen Verlauf die Missionsbistümer Havelberg und Brandenburg zerstört wurden und die ostfränkisch-deutsche Expansion nach Osten für rund 150 Jahre zum Erliegen kam.