Sciarra Colonna
römischer Adeliger
ciarra gewann Bedeutung durch den Konflikt der Colonna mit Papst Bonifaz VIII. Am 23. Mai 1297 wurden ihm und anderen Familienmitgliedern die Besitztümer entzogen, am 15. Oktober 1298 musste er sich mit seinen Verwandten dem Papst unterwerfen. 1303 hielt er sich am Hof des französischen Königs Philipp IV. auf, der zu dieser Zeit selbst einen Machtkampf mit Bonifaz führte. Im selben Jahr wurde der Papst von Bewaffneten unter Sciarras Führung und der des französischen Kanzlers Guillaume de Nogaret in Anagni gefangen genommen, jedoch bald von Bürgern der Stadt wieder befreit. Bonifaz starb kurze Zeit später, möglicherweise an den Folgen des Überfalls.
Der nächste Papst, Benedikt XI., exkommunizierte Sciarra und stellte ihn vor Gericht. Nach Benedikts Tod folgte jedoch Clemens V., ein Parteigänger Frankreichs, auf den Stuhl Petri, und die Colonna wurden wieder in ihre Rechte eingesetzt. Als Ghibelline begrüßte Sciarra bald darauf den Italienzug des deutschen Kaisers Heinrich VII. und stellte sich auf dessen Seite.
In den folgenden Jahren spielte Sciarra eine wichtige Rolle in der Politik Roms: 1312 und 1313 war er Senator, 1327 wurde er zum Capitano del Popolo gewählt. Er unterstützte den römisch-deutschen Kaiser Ludwig den Bayern, der sich in Rom von Vertretern des römischen Volkes und nicht vom Papst zum Kaiser krönen ließ; wahrscheinlich war Sciarra selbst unter diesen Vertretern. Als der Kaiser im August 1328 Rom unter Druck verließ, musste auch Sciarra aus der Stadt fliehen. An einem nicht bekannten Ort starb er ein Jahr später, wohl noch vor Mitte September.