Speyer
kreisfreie Stadt in Rheinland-Pfalz, Deutschland
Lage am Rhein
peyer liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an der Mündung des Speyerbachs in den Rhein, knapp 20 km südlich von Ludwigshafen am Rhein und Mannheim sowie 34 km nördlich von Karlsruhe. Der Rhein bildet die östliche Grenze der Stadt und gleichzeitig die Grenze von Rheinland-Pfalz zu Baden-Württemberg. Er tritt bei Stromkilometer 393,8 in die Gemarkung ein und verlässt sie nach 9,2 km bei Stromkilometer 403. Nachbargemeinden sind Römerberg, Dudenhofen, Schifferstadt, Waldsee und Otterstadt, jenseits des Rheins Ketsch, Hockenheim, Altlußheim und Oberhausen-Rheinhausen.
Terrassen und Siedlungsgunst
Das Stadtgebiet hat Anteil an der Rheinniederung bei etwa 93 m über Normalnull, der Niederterrasse im Mittel bei 103 m und der Hochterrasse bis zu 113 m. Die relativ hochwassersicheren Niederterrassen liegen meist weit von der Hauptachse des Flusses entfernt. In Speyer ragte diese Niederterrasse wie ein Keil unmittelbar an den Rhein heran und bot damit die Möglichkeit, relativ sicher vor Hochwasser möglichst nahe am Fluss zu siedeln. Bis zur Regulierung und Begradigung im frühen 19. Jahrhundert mäanderte der Rhein in unzähligen Schleifen und änderte über die Jahrtausende immer wieder seinen Lauf.
Römische Gründung
Funde aus Jungsteinzeit, Bronzezeit, Hallstattzeit und Latènezeit zeigen, dass die Terrassen schon immer Siedlungsorte waren. Im zweiten vorchristlichen Jahrhundert war die Gegend Siedlungsgebiet der keltischen Mediomatriker. Nach der Unterwerfung Galliens durch die Römer 50 v. Chr. wurde der Rhein Teil der Grenze des Römischen Reiches. 10 v. Chr. entstand ein Lager, vermutlich für eine 500 Mann starke Infanterietruppe; dieser Militärposten wurde zum Impuls für die Stadtbildung. Um 150 erschien die Stadt unter dem keltischen Namen Noviomagus in der Weltkarte des Griechen Ptolemaios. Ab 260 konnten die Angriffe der Alamannen auf den Limes nicht mehr abgewehrt werden, die Reichsgrenze musste an den Rhein zurückgenommen werden, und Speyer wurde wieder Grenzstadt.
Für das 4. Jahrhundert ist mit Jesse ein erster Speyerer Bischof belegt; das Bistum ging vermutlich während der Völkerwanderungszeit unter. Im Jahre 406 setzten Sueben, Vandalen und sarmatische Alanen auf Druck nachrückender Hunnen über den Rhein und überrannten auch Speyer. In der Schlacht 496/497 bei Zülpich und einer weiteren Schlacht 505 besiegten die Franken unter Chlodwig die Alamannen, und Speyer wurde Teil des fränkischen Königreiches. Der neue Speyergau entsprach ungefähr der civitas Nemetum. Der von den Alamannen eingeführte Name Spira erschien erstmals im 6. Jahrhundert in der Notitia Galliarum, obwohl er bereits 496/509 verwendet wurde. Ab dem 7. Jahrhundert wurde Speyer erneut als Bischofssitz erwähnt.
Kaiser Otto der Große verlieh 969 der Bischofskirche das Immunitätsprivileg, eine eigene Gerichtsbarkeit und die Kontrolle über Münze und Zoll. Ab 1030 ließ Kaiser Konrad II. die Bauarbeiten am Speyerer Dom beginnen. Im 11. Jahrhundert siedelte sich auf Veranlassung des Bischofs Rüdiger Huzmann eine der ersten jüdischen Gemeinden im Heiligen Römischen Reich an. Neben Worms und Mainz gilt Speyer als eine der Geburtsstätten der aschkenasischen Kultur. Am Tag der Beisetzung seines Vaters im Dom erteilte Heinrich V. 1111 der Stadt umfassende Privilegien. Als erster Stadt in Deutschland gewährte der Große Freiheitsbrief den Bürgern persönliche Freiheiten. Der Brief wurde in goldenen Buchstaben über dem Domportal angebracht und ging bei späteren Dombeschädigungen verloren.
Das 13. Jahrhundert war von der Auseinandersetzung um die stadtherrlichen Rechte gekennzeichnet. In der zweiten Hälfte gab es heftige Streitigkeiten zwischen der Stadt und dem Bischof und vor allem den Stiften, verschärft durch den Investiturstreit. Insbesondere das Domkapitel entwickelte sich zum Kontrahenten der Bürgerschaft. Im 14. Jahrhundert spielte die generalis discordia zwischen Bürgerschaft und Klerus nur eine untergeordnete Rolle. Es entwickelte sich ein Machtkampf um die Ratsbesetzung zwischen den Münzer-Hausgenossen und den Zünften. 1349 verzichteten die Hausgenossen auf ihre letzten Vorrechte, als sich das Prinzip der reinen Zunftverfassung durchsetzte; von da an bildeten sie eine von 14 anderen Zünften. Mit dem Aufstieg des gut 20 Kilometer entfernten Heidelberg verschoben sich die Verhältnisse in der Region.
Reichsstadt zwischen Bischof und Kurpfalz
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigte sich, dass die Speyerer Bischöfe ihren stadtherrlichen Anspruch nie aufgegeben hatten. Zur Vertretung ihrer Interessen gewannen sie die Unterstützung Kaiser Karls IV. und vor allem der Pfalzgrafen bei Rhein, während die Stadt sich nicht mehr uneingeschränkt auf den Rückhalt der Kaiser verlassen konnte. 1434 kam mit Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz ein Schutz- und Schirmvertrag auf zehn Jahre zustande. Ab 1439 war die Region von marodierenden Armagnaken bedroht. Im selben Jahr schloss Speyer mit Mainz, Worms und Straßburg ein Bündnis, das ein Heer von 100 Gleven vorsah, jeweils 30 aus Mainz und Straßburg und 20 aus Worms und Speyer.
1459 bis 1462 musste sich Speyer wieder an einer kriegerischen Auseinandersetzung der Kurpfalz beteiligen, im Zusammenhang mit dem Pfälzer Krieg und der Mainzer Stiftsfehde gegen Kurmainz. Mit Matthias von Rammung übernahm 1464 ein Bischof das Amt, der die Befugnisse der Kirche ausbauen wollte. 1470/71 geriet Kurfürst Friedrich I. in Feindschaft zum Kaiser, weil er sich der Stadt und des Klosters Weißenburg bemächtigte; beide verlangten die militärische Hilfe Speyers. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts rückte Speyer in den Mittelpunkt deutscher Geschichte. In ihren Mauern fanden über 50 Hoftage statt, und von den 30 Reichstagen des Jahrhunderts wurden fünf in Speyer abgehalten.
Krieg und Zerstörung
Bis auf Zerstörungen im Jahre 1552 durch den Zweiten Markgrafenkrieg verlief die Zeit zwischen 1530 und 1620 vergleichsweise friedlich. Es kam immer wieder zu Pestepidemien, etwa 1539, 1542, 1555 und 1574. Der Schmalkaldische Krieg 1546 hatte keine direkten Auswirkungen. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 lag das ummauerte, aber kaum verteidigungsfähige Speyer im Spannungsfeld der umkämpften Festungen Frankenthal, Friedrichsburg, Philippsburg und Landau. Der Stadt fiel die Rolle als Zufluchtsort, Lazarett, Versorgungsstation und Truppenlager zu. Hinzu kamen Besetzungen durch Spanier, Schweden, Franzosen und kaiserliche Truppen. Erst 1650 verließen die letzten Soldaten die Stadt, zurück blieben Schulden, Hunger und Seuchen.
1689 kam es im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekrieges und der planmäßigen Entfestigung der Pfalz unter General Ezéchiel de Mélac zur völligen Zerstörung der Stadt durch französische Truppen. Zwei Tage nachdem General Joseph de Montclar am 30. Januar 1689 die Befestigungsanlagen inspiziert hatte, begannen die Abbrucharbeiten, an denen sich die Stadtbewohner zwangsweise beteiligen mussten. Am 23. Mai teilte der französische Kriegsintendant mit, dass die Stadt innerhalb von sechs Tagen evakuiert werden müsse. Montclar ließ dem Domdekan Heinrich Hartard von Rollingen am 27. Mai 1689 mitteilen, er habe den Befehl, die Stadt samt allen Kirchen und Klöstern, einzig die hohe Domkirche ausgenommen, in Brand zu stecken.
1792 eroberten französische Revolutionstruppen Speyer. Es blieb als Sitz einer Unterpräfektur im Département du Mont-Tonnerre bis 1814 unter französischer Herrschaft. Die Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte und die Neuordnung auf dem Wiener Kongress von 1815 brachten eine Änderung der Machtverhältnisse im pfälzischen Raum. Am 27. Juni 1815 trafen sich Zar Alexander von Russland, Kaiser Franz I. von Österreich und Preußens König Friedrich Wilhelm III. im alliierten Hauptquartier in der Stadt.
Hauptstadt des Rheinkreises
1816 wurde Speyer mit dem Vertrag von München Hauptstadt des Rheinkreises. Dieser fiel nach dem Wiener Kongress dem Königreich Bayern als Ausgleich für das an Österreich abgetretene Salzburg zu. Am 1. Januar 1838 löste der Regierungsbezirk Pfalz den Rheinkreis ab. 1837 war der Ausbau des Rheinhafens abgeschlossen, 1847 erhielt Speyer mit der Strecke aus Schifferstadt Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz. Bis 1918 war die Stadt Garnison des 2. Pionierbataillons der bayerischen Armee. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Besetzung des linken Rheinufers zog 1918 erneut die französische Armee ein. 1930 zog die französische Besatzungsmacht ab.