Stift Herford
historische Reichsabtei
as Stift wurde 819 an Kaiser Ludwig den Frommen übertragen, der es durch Abt Adalard von Corbie regulieren ließ, in enger Verbindung mit der Gründung von Corvey. 823 erlangte Herford den Status eines Reichsklosters und wurde nach dem Muster des Klosters Notre Dame zu Soissons eingerichtet, das zum Mutterkloster wurde. 860 wurden die Gebeine der heiligen Pusinna überführt. Königin Mathilde wurde hier erzogen und heiratete 909 den späteren König Heinrich I. Von 919 bis 924 zerstörten die Ungarn Herford, der Wiederaufbau begann 927. Die Vogtei hatten zunächst die Billunger, dann Heinrich der Löwe inne, als Untervögte amtierten die Grafen von Schwalenberg, später ab 1382 die Grafen von Jülich-Berg.
In der Mitte des zwölften Jahrhunderts erhielt das Stift die Exemtion und im Jahr 1147 die Reichsunmittelbarkeit. Es besaß damals 39 Oberhöfe und rund 800 zinspflichtige Unterhöfe. Damit wurde es ein eigenständiges, kleines Landesterritorium des Heiligen Römischen Reiches, das bis zur Säkularisation 1803 bestand. Die Äbtissinnen waren Reichsfürstinnen und saßen im Reichstag im Rheinischen Reichsprälatenkollegium. Das Reichsstift gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Von 1256 bis um 1530 bildeten Stadt und Abtei eine gemeinsame Regierung, was einmalig im Reich war.
Im Zuge der Reformation wurde das Stift 1533 evangelisch. 1652 besetzte das Kurfürstentum Brandenburg die reichsfreie Stadt Herford und gliederte sie in Ravensberg ein. Die Kurfürsten versuchten, das reformierte Bekenntnis durchzusetzen, was ihnen aber nur zeitweilig gelang. Die Reichsabtei konnte ihre Unabhängigkeit dennoch bewahren.