Stift Quedlinburg
histor. Stiftung der Ottonen in Quedlinburg, Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt
uedlinburg gehörte zu den befestigten Orten, die König Heinrich I. zur Sicherung gegen die Ungarn als Königshof anlegte. Die Pfalz wurde zum Lieblingsort Heinrichs I. und seiner Frau Mathilde und später zu ihrem Begräbnisort. Nach dem Tod ihres Gatten gründete Königin Mathilde 936/937 mit Hilfe ihres Sohnes König Otto I. das Quedlinburger Chorfrauenstift. In den Jahren 946 und 966 gewährten die Päpste dem Stift Schutz und Exemtion. Die liudolfingischen Herrscher verliehen dem Stift Immunität und Reichsunmittelbarkeit sowie eine reiche Dotation. Kaiser Otto III. stattete das Stift 994 mit Marktprivileg, Münzprivileg und Zollprivileg aus. Zur Zeit der sächsischen und salischen Kaiser wurde Quedlinburg mit über 60 Aufenthalten von Herrschern eine Zentrale des Reiches, in der auch die Kaiserinnen Adelheid und Theophanu zeitweise residierten. Die Vogtei erlangten Mitte des 12. Jahrhunderts die Grafen des Harzraumes, 1273 die Grafen von Regenstein und 1477 die Wettiner. 1697 wurden die Vogteirechte an Kurbrandenburg verkauft, was 1698 zur Besetzung durch Brandenburg-Preußen führte. Nach der Säkularisation 1802 und 1803 wurde das Reichsstift als Fürstentum Quedlinburg von Preußen in Besitz genommen und gehörte von 1807 bis 1814 zum Königreich Westphalen.
Das kaiserlich freie weltliche Reichsstift Quedlinburg war eine Gemeinschaft unverheirateter Töchter hochadliger Familien, die dort ein gottgefälliges Leben führen wollten. Der Begriff weltlich stand im Gegensatz zu klösterlich. Es war ein königliches Familienstift und kam nach seiner Gründung durch reiche Beschenkung zu baldiger Blüte. Die Hauptaufgabe bestand in der Memoria, dem Totengedenken für den am 2. Juli 936 verstorbenen Heinrich I. Zu den größten und berühmtesten Frauenstiften dieser Art zählten neben Quedlinburg auch die Stifte in Essen, Gandersheim, Gernrode, Köln und Herford. In Herford wurde die junge Königin Mathilde von ihrer Großmutter erzogen, die dort Äbtissin war. Mathilde hatte 936 vergeblich versucht, den Konvent des Klosters Wendhausen vollständig nach Quedlinburg zu verlegen, doch später wurden die Pröpstinnen von Wendhausen aus dem Quedlinburger Stiftskapitel gewählt.
In den ersten Jahrzehnten nach der Gründung des Damenstiftes wurden zahlreiche Schenkungen verzeichnet, insbesondere durch das sächsische Königshaus. Otto I. schenkte 936 fünfundzwanzig Orte, darunter das 170 Kilometer entfernte Soltau, sowie in den folgenden Jahren weitere Orte. Die erste urkundliche Erwähnung von Potsdam erfolgte in der Schenkungsurkunde König Ottos III. am 3. Juli 993, ein Diplom, das einen Wendepunkt in der Wiedergewinnung ostelbischer Gebiete markierte, nachdem die deutsche Herrschaft durch den Slawenaufstand von 983 bis an die Elbe zurückgedrängt worden war. Im Jahr 999 kam die provincia Gera in den Besitz des Stiftes, dessen Äbtissin 1209 die Vögte von Weida als Verwalter einsetzte. Otto II. und Otto III. schenkten in den folgenden Jahren weitere Orte, später kamen insgesamt mehr als 150 Orte hinzu.