Tausch Altbayerns gegen die Österreichischen Niederlande
politisches Projekt des römisch-deutschen Kaisers Joseph II. und des pfälzisch-bayerischen Kurfürsten Karl Theodor
ach dem kinderlosen Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph 1777 entzündete sich an der Sukzessionsfrage der Bayerische Erbfolgekrieg. Während dieses Konflikts verhandelte Kurfürst Karl Theodor mit Kaiser Joseph II., der die pfalzbayerische Erbfolge nicht anerkannte und Altbayern als erledigtes Reichslehen einziehen wollte. Im Gespräch war ein Tausch von Ober- und Niederbayern, der Oberpfalz, Pfalz-Neuburg, Pfalz-Sulzbach und der Landgrafschaft Leuchtenberg gegen Vorderösterreich oder die Österreichischen Niederlande ohne Luxemburg. Der Krieg endete 1779 mit dem Frieden von Teschen. Darin trat Kurpfalz-Bayern das Innviertel an Österreich ab, während Österreich im Gegenzug die preußischen Ansprüche auf Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth anerkannte und die pfälzische Erbfolge bestätigte.
1784 kam es zwischen Joseph II. und Karl Theodor zu weiteren Verhandlungen über einen Interessenausgleich, um die jeweiligen Territorien zu kompakteren Ländermassen zusammenzuführen. Im Januar 1785 konkretisierte sich das Ergebnis auf einen Tausch des Kurfürstentums Bayern gegen die Österreichischen Niederlande. Für Karl Theodor eröffnete dies die Aussicht, durch Vereinigung der Kurpfalz, der Herzogtümer Jülich-Berg und der Habsburgischen Niederlande mit Residenzen in Mannheim, Düsseldorf und Brüssel eine neue Großmacht im Westen des Heiligen Römischen Reichs zu werden. Zudem versprach ihm Joseph II. eine Rangerhöhung zum König von Burgund, und seine Staatseinnahmen hätten sich erheblich erhöht. Unterstützt wurde er dabei von seinem Staatsminister Franz Albert Leopold von Oberndorff.
Ähnliche Bestrebungen nach einer Königswürde hatte es schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern gegeben, im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs und der Verhandlungen zum Frieden von Utrecht. Die Wittelsbacher besaßen zudem seit 1583 Kurköln, und Johann Theodor von Bayern war Fürstbischof von Regensburg, Freising und Lüttich, bewarb sich aber erfolglos um Kurtrier und Kurköln. Danach stand kein Wittelsbacher mehr an der Spitze eines geistlichen Territoriums im Reich. Gegen die neuen Tauschpläne, deren Geheimhaltung misslang, formierten sich seit 1778 bayerische Patrioten um Herzogin Maria Anna von Pfalz-Sulzbach, die Witwe des verstorbenen Kurfürsten.
Der Thronerbe Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken rief Preußenkönig Friedrich II. zu Hilfe, dem es am 23. Juli 1785 gelang, den Fürstenbund als Allianz gegen Österreich zu organisieren. Daraufhin trat Österreich vom Vorhaben zurück. Als 1794 Karl Theodors Frau starb, versuchte er das Projekt mit einer neuen Ehe zu Maria Leopoldine von Österreich-Este wiederzubeleben, doch diese hintertrieb es und unterstützte stattdessen den Thronerben Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken. Beim Tod Karl Theodors 1799 verhinderte sie sogar, dass der habsburgische Gesandte Joseph Johann von Seilern das Sterbebett erreichte. Die südlichen Niederlande waren da bereits von Frankreich besetzt, und mit Maximilian Josephs Regierungsantritt im Februar 1799 galt der Fortbestand Bayerns als gesichert.