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Thietmar von Merseburg

Bischof von Merseburg und Geschichtsschreiber der Zeit der sächsischen Kaiser (Ottonen)

as Bistum Merseburg wurde 968 als christlicher Vorposten im Slawengebiet gegründet, wobei vor allem Halberstadt Teile seiner Diözese abtreten musste. 981 willigte Kaiser Otto II. in die Aufhebung ein, begründet mit der fehlenden Zustimmung des Halberstädter Bischofs Hildeward zur Gründung. Die Rechte und Besitzungen wurden zwischen Magdeburg, Halberstadt, Zeitz und Meißen aufgeteilt. Schon unter Otto III. setzten Bemühungen um Wiederherstellung ein, unter Heinrich II. wurde das Bistum schließlich wieder eingerichtet und Wigbert als Bischof eingesetzt. Der Sprengel wurde jedoch nicht vollständig restituiert: Der kleinere Teil lag westlich der Saale in dichter besiedeltem Altsiedelland, der größere östlich bis zur Mulde in nur teilweise besiedelten Gebieten. Zwischen Aufhebung und Wiedereinrichtung lagen 23 Jahre, weshalb über die einstigen Grenzen Unklarheit herrschte.

Als Gegenleistung für Rechte und Besitz erwartete der König von den Bischöfen Königsdienst, der Beratung, diplomatische Aufgaben, wirtschaftliche Leistungen und militärische Unterstützung umfasste. Der aus Bayern stammende Heinrich II. musste durch das Reich reisen, um seiner Herrschaft Geltung zu verschaffen, besonders in Sachsen, dem Herrschaftsmittelpunkt der vorangegangenen ottonischen Herrscher. Tatsächlich hielt er sich am häufigsten in Merseburg auf, mit 28 belegten Aufenthalten in 22 Regierungsjahren. Merseburg hatte traditionell enge Bindungen an den bayerischen Zweig der Liudolfinger und besondere Bedeutung wegen seiner Grenzlage zur slawischen Welt. Am 25. Juli 1002 ließ sich Heinrich dort seine Königswürde bestätigen, 1012 verkündete er einen fünfjährigen Landfrieden, und von Merseburg gingen die Züge gegen Bolesław I. Chrobry aus. Thietmar empfing Heinrich in neun Amtsjahren dreizehn Mal.

In Thietmars Amtszeit fiel die Grundsteinlegung des neuen Merseburger Domes. Das Bauen galt als Amtspflicht eines hochmittelalterlichen Bischofs, und der Bau einer Kathedralkirche war die vornehmste Tat, die Thietmar in seinen Nachrufen auf Bischöfe verzeichnete. In Anwesenheit des Magdeburger Bischofs Gero, aber ohne kaiserliche Präsenz, legte Thietmar am 18. Mai 1015 eigenhändig die Grundsteine in Form eines Kreuzes. In seiner Chronik ließ er dieses Ereignis zunächst aus, trug es dann aber eigenhändig am Rand nach und korrigierte den Text mit einem Verweiszeichen. Diese Nachricht gehört zu den wenigen überlieferten Berichten dieser Art im Frühmittelalter, in dem der Ritus der Kirchengründung noch nicht liturgisch verbindlich festgelegt war. Heinrich II. sorgte für eine angemessene Ausstattung des neuen Domes.

Zwischen Ende 1012 und 1018 verfasste Thietmar eine Chronik über die sächsische Geschichte von 908 bis 1018, an der neben ihm acht weitere Schreiber des Merseburger Domskriptoriums beteiligt waren. Mit dem Chronicon wollte er die Geschichte der Stadt Merseburg und die Lebenswege der frommen sächsischen Könige schildern, also der Ottonen. Beide Themen waren eng verknüpft: Heinrich I. hatte die Grundlagen für die Stadt geschaffen, Otto I. das Bistum gegründet, Otto II. es aufgehoben, und Otto III. erste Versuche zur Wiedereinrichtung unternommen, die erst unter Heinrich II. Erfolg hatten. Die Chronik enthält zahlreiche autobiographische Passagen, sodass über Thietmars Person mehr bekannt ist als über viele seiner Amtskollegen. Johannes Fried bezeichnete ihn als das erste schreibende Ich unter den mittelalterlichen Geschichtsschreibern.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel Thietmar von MerseburgVersionsgeschichteBearbeitungsstand 268936676redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0
Foto: Harald Rossaentstanden 2007CC BY-SA 3.0Quelle