Thüringen
Land der Bundesrepublik Deutschland
Vom Stamm zum Königreich
n der Völkerwanderungszeit bildete sich der Stamm der Thüringer. Ihre Ursprünge sind umstritten; eine oft angenommene Verbindung zu den Hermunduren gilt als wissenschaftlich nicht haltbar. Die erste Erwähnung der Toringi findet sich im späten vierten Jahrhundert bei Flavius Vegetius Renatus, der sie in einen Zusammenhang mit Hunnen und Burgunden stellt. Später gründeten die Thüringer ein Königreich mit Siedlungsschwerpunkt im Thüringer Becken entlang der Unstrut.
Teilung unter den Wettinern
1485 wurden mit der Leipziger Teilung die wettinischen Lande auf die jüngeren Albertiner im Osten und die älteren Ernestiner im Westen verteilt, die zugleich die Kurwürde der Wettiner übernahmen. Die Ernestiner herrschten zunächst über große Teile Thüringens, während nur ein Streifen im zentralen Thüringer Becken entlang der Unstrut den Albertinern gehörte. Mit der Reformation am Beginn des sechzehnten Jahrhunderts rückte Thüringen ins Zentrum der deutschen Politik.
Die Wartburg
Die hügelige Landschaft und die zentrale Lage im deutschen Kulturraum begünstigten seit dem frühen Mittelalter die Anlage von Burgen. Die bekannteste ist die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Wartburg oberhalb von Eisenach. Sie war einst Sitz der Landgrafen von Thüringen und später der Ort, an dem Martin Luther vor der kaiserlichen Reichsgewalt versteckt wurde und Teile der Bibel ins Deutsche übersetzte.
Weimar und Jena um 1800
Erst ab etwa 1780 machten die regierende Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und ihr Sohn Karl August wieder auf die Region aufmerksam. Sie riefen Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe an ihren Hof, wodurch sich Weimar zum Zentrum des deutschen Klassizismus entwickelte. Parallel wurde die nahe gelegene Stadt Jena aufgrund der Strahlkraft ihrer liberalen Universität zum Zentrum des deutschen Geisteslebens.