Ulrich (Württemberg)
dritter regierender Herzog von Württemberg
514 stürzte das Herzogtum in eine schwere Finanzkrise. Kriegszüge und Ulrichs aufwendiger Lebensstil hatten die Staatskasse geleert, das Defizit betrug etwa 70 Prozent der Staatseinnahmen. Um einen Feldzug gegen Burgund zu finanzieren, sollte eine Vermögenssteuer erhoben werden, die jedoch in eine Verbrauchssteuer auf Fleisch, Wein und Frucht umgewandelt wurde. Damit trug die arme Bevölkerung die Lasten. Die größten Proteste löste jedoch nicht die Steuer selbst aus, sondern die Art ihrer Erhebung: Statt sie auf die Ware aufzuschlagen, wurden die Maßgewichte verringert.
Die Proteste führten 1514 zum Aufstand des Armen Konrad. Mit Hilfe der Ehrbarkeit gelang es Ulrich, den Aufstand niederzuschlagen. Im Tübinger Vertrag vom 8. Juli 1514 musste er der Ehrbarkeit jedoch weitgehende Zugeständnisse machen: Ohne Zustimmung der Landstände durfte kein württembergischer Landesherr mehr Krieg führen oder Steuern erheben. Damit erlangten die Landstände eine Position als mächtige Gegenpartei der Landesherren, während der Adel seinen politischen Einfluss am Hof vollständig verlor.
Am 11. Oktober 1516 sprach Kaiser Maximilian die Acht und Aberacht des Reiches über Ulrich aus. Dennoch ließ dieser mehrere Vögte verhaften, foltern und hinrichten. Die Reichsacht wurde 1518 auf dem Reichstag von Augsburg rechtskräftig. Nach Maximilians Tod 1519 gab Ulrichs Überfall auf Reutlingen den Anstoß zu seiner Vertreibung durch Georg Truchsess von Waldburg-Zeil im Auftrag des Schwäbischen Bundes. Württemberg wurde daraufhin durch Kaiser Karl V. dem Haus Habsburg unterstellt. Ulrich unternahm mehrere erfolglose Rückgewinnungsversuche, am weitreichendsten 1525 im Zuge des Bauernkriegs, als er mit Hegauer Bauern und Schweizer Söldnern bis vor Stuttgart zog, aber wieder vertrieben wurde.
1534 gelang Ulrich mit Hilfe des hessischen Landgrafen Philipp I. die Rückkehr, nach dessen Sieg in der Schlacht bei Lauffen. Mit dem Vertrag von Kaaden erhielt er den Besitz über Württemberg bestätigt und führte umgehend im ganzen Land die Reformation ein, unterstützt von Erhard Schnepf und Ambrosius Blarer. Die Klöster wurden säkularisiert, wodurch sich das Herzogtum vergrößerte, und 1536 wurden die Regelungen für die Landeskirche in einer Kirchenordnung zusammengefasst. 1546 besetzte Kaiser Karl V. im Schmalkaldischen Krieg Württemberg und zwang Ulrich 1548, das Augsburger Interim zu akzeptieren. In dieser schwierigen Lage starb er 1550.