Ungarn
Staat in Mitteleuropa
Vom Königreich zur Teilung durch die Osmanen
egen Ende des 9. Jahrhunderts nahmen die Magyaren unter Großfürst Árpád Teile des Karpatenbeckens in Besitz. Um das Jahr 1000 gründete Stephan I. das Königreich Ungarn, das sich zu einem bedeutenden Staat entwickelte. In der Schlacht bei Mohács 1526 erlitt Ungarn im Kampf gegen das Osmanische Reich eine entscheidende Niederlage, 1541 wurde auch die Hauptstadt Buda besetzt. Mehr als 150 Jahre lang war das Land dreigeteilt: ein habsburgisch kontrolliertes Königreich, ein osmanisches Kerngebiet und das autonome Fürstentum Siebenbürgen.
Habsburgerherrschaft und Aufstände
Ende des 17. Jahrhunderts kam das Land unter die Herrschaft der Habsburger. Mehrere Aufstände gegen die Habsburger blieben erfolglos, darunter der von Franz II. Rákóczi von 1703 bis 1711 und die Revolution von 1848/49. Der Österreichisch-Ungarische Ausgleich von 1867 führte zur Entstehung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Diese zerfiel am Ende des Ersten Weltkriegs, und nach kurzen republikanischen Phasen verlor Ungarn durch den Vertrag von Trianon 1920 zwei Drittel seines Staatsgebiets.
Zwischen den Weltkriegen und im Ostblock
Das Königreich Ungarn wurde unter Regent Miklós Horthy ohne König fortgeführt. Als Verbündeter des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg wurde das Land nach einem gescheiterten Austrittsversuch 1944 von deutschen Truppen besetzt und später von der Sowjetunion eingenommen. Nach einer kurzen demokratischen Phase entstand die Volksrepublik Ungarn als sozialistischer Staat unter sowjetischem Einfluss. Nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand von 1956 blieb Ungarn Teil des Ostblocks, die Innenpolitik war jedoch vergleichsweise liberal.
Demokratie, EU-Beitritt und Rechtsstaatsstreit
Im Zuge der Umbrüche von 1989 wurde am 23. Oktober 1989 die dritte Republik Ungarn ausgerufen, das Land wurde zur Demokratie. 1999 trat Ungarn der NATO bei, 2004 der Europäischen Union. Unter Ministerpräsident Viktor Orbán, der von 2010 bis 2026 regierte, wurde das Land zunehmend autoritär regiert. 2022 leitete die Europäische Kommission erstmals ein Rechtsstaatsverfahren gegen ein Mitgliedsland ein, das Europäische Parlament sprach Ungarn erstmals ab, eine Demokratie zu sein, und die anderen EU-Staaten blockierten aus diesem Grund die Auszahlung mehrerer Milliarden Euro.