Verdun
Gemeinde im Département Meuse, Frankreich
erdun ist seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. Im Jahr 843 wurde durch den Vertrag von Verdun die Teilung des Frankenreichs beschlossen, was lange als Geburtsstunde der deutschen und französischen Geschichte galt. Im frühen und hohen Mittelalter war Verdun eine blühende Fernhandelsstadt und einer der Hauptumschlagsplätze für Sklaven, die aus Gebieten östlich der Elbe verschleppt und ins Kalifat von Córdoba exportiert wurden. Im frühen 11. Jahrhundert erlebte die Stadt einen außerordentlichen wirtschaftlichen Aufschwung, spätestens im 13. Jahrhundert setzte ihr Niedergang ein. Verdun gehörte zu Lothringen und mit diesem seit 925 zum Ostfrankenreich, aus dem das Heilige Römische Reich hervorging. Als Freie Reichsstadt fiel es 1552 durch den Vertrag von Chambord als Protektorat und 1648 durch den Westfälischen Frieden endgültig an Frankreich. Im Vertrag von Chambord wurde festgehalten, dass die Bewohner von Verdun nicht deutscher Sprache waren, und die Stadt wurde von protestantischen Fürsten, die in Opposition zum Römisch-deutschen Kaiser standen, dem französischen König überlassen, um dessen Unterstützung im Kampf gegen den Kaiser zu erhalten.
1552 beauftragte Generalmajor François de Scépeaux, comte de Durtal den Sieur de Saint-Rémy mit der Befestigung von Verdun. Der Ausbau ging im 17. Jahrhundert weiter. Nach einer kurzen Belagerung wurden Stadt und Festung 1792 an die Alliierten übergeben, aber kurze Zeit später zurückerobert. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde die Barrière de fer entlang der neuen Grenze durch Séré de Rivières bedeutend ausgebaut. Die Festungsanlagen um Verdun wurden um die Jahrhundertwende nochmals modernisiert und erweitert, und im Vorfeld des Ersten Weltkriegs abermals umgebaut. In der letzten Ausbaustufe war Verdun von 39 Forts und Ouvrages umgeben, verbunden durch ein dichtes Netz von Infanteriebunkern, Artilleriestellungen und Maschinengewehr-Posten. Der Angriff der Deutschen im Ersten Weltkrieg auf die Stadt und umliegende Höhen wurde zu einer der blutigsten Schlachten des Krieges.
Die Schlacht um Verdun dauerte vom Februar bis zum Dezember 1916. Die deutsche Oberste Heeresleitung plante, mit dem Angriff auf die Festung Verdun die Westfront wieder in Bewegung zu bringen. Die Festung war jedoch schwerer einzunehmen als gedacht, der deutsche Vorstoß kam im Trichterfeld zwischen Fleury-devant-Douaumont, dem Fort Souville und der Souvillenase zum Stehen. Beide Seiten erlitten massive Verluste, die Stadt Verdun und einige Dörfer im Umland wurden schwer zerstört. Der französische Nachschub kam von Bar-le-Duc über die als la Voie Sacrée bekannte Straße. Der deutsche Generalstabschef Erich von Falkenhayn bemühte sich später um eine Umdeutung des Angriffsziels, es sei von Anfang an das Ziel gewesen, Frankreich auszubluten. 170.000 französische und 150.000 deutsche Soldaten starben während der Schlacht. Das Beinhaus von Douaumont ist das bekannteste Soldatengrab im Umfeld von Verdun. 1984 gedachten dort Präsident Mitterrand und Kanzler Kohl mit dem Handschlag von Verdun der Gefallenen.