Vertrag von Bonn 921
Beendigung der Streitigkeit zwischen dem westlichen und östlichen Teil des Frankenreiches
ach dem Tod Ludwigs des Kindes 911 endete die Karolingerherrschaft im Ostreich. Nach fränkischem Erbrecht hätte man Karl den Einfältigen zum Herrn wählen können, doch im Westreich hatte sich seit 888 ein Wahlrecht der Fürsten zwischen Karolingern und Robertinern entwickelt. Auch im Ostreich spielten praktische Erwägungen eine Rolle, denn Normannen und seit 895 auch Magyaren bedrohten das Land. In der Schwäche der Zentralgewalt hatten sich Stammesherzogtümer wie Sachsen, Baiern, Franken und Lothringen gebildet, die sich keinem fernen König mehr unterordnen wollten. So wurde 911 Konrad der Jüngere zum Herzog erhoben, was aus westfränkischer Sicht einer Enteignung der Karolinger gleichkam. Nur der Herzog von Lothringen vertrat die karolingische Linie und wechselte zum Westreich über, was zur größten Konfliktquelle wurde.
Nach Konrads Tod 919 wurde Heinrich von Sachsen gewählt. In seinen ersten Jahren löste sich Lothringen wieder los, und ihm fehlte die Zustimmung der baierischen und schwäbischen Herzöge. Slawen und Magyaren bedrängten zugleich das Reich. Um seine Kräfte zu bündeln, suchte Heinrich einen Ausgleich mit der karolingischen Dynastie im Westen. Karl der Einfältige war jedoch verärgert, weil Heinrich das aufständische Lothringen unterstützt hatte, und fiel in Ostfranken ein. Zu kriegerischen Handlungen kam es dabei aber nicht, und Karl zog sich bald zurück.
Heinrich, sehr auf Konsens bedacht, traf sich mit Karl bei Bonn auf einem Schiff in der Mitte des Rheins. Der Ort wurde bewusst gewählt, um die Gleichrangigkeit beider Könige zu zeigen. Im Vertrag schlossen sie Freundschaft, ohne dass konkrete Verpflichtungen entstanden. Freundschaft bedeutete damals immerhin Anerkennung und Unterstützung. Karl profitierte davon, da er im eigenen Reich viele Feinde hatte und sich nun sicher sein konnte, dass Heinrich sich nicht gegen ihn wenden würde.
Beglaubigt wurde der Vertrag von den mächtigsten Kirchenvertretern und Adeligen beider Länder. Heinrich scheint ihn jedoch nicht besonders ernst genommen zu haben, denn 923 schloss er einen ähnlichen Freundschaftsvertrag mit Robert von Franzien, dem Gegenkönig Karls. Von einer wirklichen Hilfsverpflichtung ging Heinrich offenbar nicht aus. Als der später gefangengenommene Karl ihn nach einer Quelle des Widukind von Corvey um Hilfe bat, reagierte Heinrich nicht.