Widukind von Corvey
alt-sächsischer Geschichtsschreiber; Mönch
idukind trat vor 942 unter Abt Volkmar I. in das Kloster Corvey ein. Über sein Geburtsjahr besteht Unsicherheit: nach älterer Forschung wäre er mit 15 Jahren eingetreten, was ein Geburtsjahr um 925 ergäbe, nach anderer Ansicht wurde er als Knabe von 6 bis 8 Jahren eingetragen, was auf 933/35 verweist. Frühere Schriften Widukinds sind verloren. Zwischen 967 und 968, fortgesetzt bis 973, schrieb er im Kloster die Sachsengeschichte in drei Büchern, die er Mathilde, der Tochter Ottos I. und ersten Äbtissin des Stifts Quedlinburg, widmete. Otto I. dürfte Widukind etwa 28- bis 30-mal gesehen haben.
Die Sachsengeschichte gliedert sich in drei Bücher mit jeweils einer an Mathilde gerichteten Vorrede. Das erste Buch behandelt die Frühgeschichte der Sachsen bis zum Tod Heinrichs I. im Jahr 936, das zweite die Zeit von der Königserhebung Ottos I. bis zum Tod seiner ersten Gemahlin Edgitha 946, das dritte reichte ursprünglich bis 967 und wurde bis zum Tod Ottos I. am 7. Mai 973 fortgeführt. Widukind lässt zentrale Ereignisse wie die Kaiserkrönung Ottos I. in Rom 962 und die Gründung des Erzbistums Magdeburg 968 unerwähnt. Trotzdem gilt sein Werk als zentrale Quelle der frühottonischen Zeit. Besonders umstritten sind seine Aussagen zum Übergang der Herrschaft von Konrad I. auf Heinrich I. 918 und zur Königskrönung Ottos I. 936.
Die genaue Abfassungszeit ist seit langem umstritten. Da Widukind die Kaiserkrönung Ottos I. in Rom und die Gründung Magdeburgs unerwähnt lässt, wurde eine Entstehung vor 962 vermutet, was jedoch Edmund E. Stengel zurückwies, indem er das Konzept eines romfreien Kaisertums herausarbeitete. So ist bei Widukind auch der nie gekrönte Heinrich I. Imperator, und Otto I. erhält diese Bezeichnung erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn im Jahr 955. Johannes Laudage vermutete, Widukind habe das Werk zunächst für Erzbischof Wilhelm von Mainz vor 965 verfasst und es später, nach dessen Meinungsänderung, für die Kaisertochter Mathilde umgeschrieben.