Vienne
Gemeinde in Frankreich
Von den Allobrogern zum Königreich Burgund
ie keltischen Allobroger machten Vienne zu ihrer Hauptstadt, bevor 121 v. Chr. Quintus Fabius Maximus die verbündeten Allobroger und Arverner besiegte. Unter Kaiser Caligula wurde Vienne römische Kolonie und stieg zur zweiten Hauptstadt Südgalliens auf. Die Kaiser Julian und Valentinian II. residierten hier, letzterer nahm sich 392 in Vienne das Leben. Ab 100 n. Chr. lebten erste Christen in der Stadt, im 3. Jahrhundert wurde sie Bischofssitz. Bei der Vereinigung von Nieder- und Hochburgund im Jahr 951 machte Burgunderkönig Konrad III. Vienne zur Hauptstadt seines Reiches. Nach dem Tod des kinderlos gestorbenen letzten Burgunderkönigs Rudolf III. fiel Vienne mit dem gesamten Königreich 1032 aufgrund eines Vertrages an den deutschen König Konrad II. und damit an das Heilige Römische Reich.
Konzil und Anschluss an Frankreich
Im 12. Jahrhundert wurde Vienne Hauptstadt der Dauphiné. 1311/12 fand dort das Konzil von Vienne statt, auf Betreiben des französischen Königs Philipp IV. des Schönen wurde die Zerschlagung des Templerordens beschlossen, zugleich das Fronleichnamsfest bestätigt. 1450/51 vollzog Erzbischof Jean de Poitiers den Anschluss an das französische Königreich. Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Vienne einen wirtschaftlichen Aufschwung, die Kathedrale wurde fertiggestellt. Ab 1540 wirkte der spätere Ketzer Michel Servet als Leibarzt des Erzbischofs Pierre Paulmier in der Stadt und trat 1546 in Korrespondenz mit Johannes Calvin.
Reste der römischen Stadt
Aus der Römerzeit sind der Tempel des Augustus und der Livia, ein römisches Theater, ein Doppelbogen und ein Kybele-Heiligtum erhalten. Der Tempel war Jupiter, Augustus und Livia geweiht, die unter Kaiser Claudius vergöttlicht wurde; seine gute Erhaltung verdankt er der mittelalterlichen Nutzung als Kirche. Das Theater, tief in den Pipet-Hügel eingegraben, entstand vermutlich zur Zeit des Augustus und war mit 130 Metern Durchmesser das größte römische Theater Galliens; auf 46 Zuschauerreihen fanden 13.000 Zuschauer Platz. Es wurde während der germanischen Völkerwanderung Mitte des 3. Jahrhunderts beschädigt und im Mittelalter als Steinbruch genutzt, bevor es Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise restauriert wurde.