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Vogt

Herrschaftlicher Beamter des Mittelalters und der frühen Neuzeit

er Vogt vertrat als Beamter einen Feudalherrscher in dessen Gebiet, führte den Vorsitz im Landgericht, organisierte die Landesverteidigung und führte im Krieg das Lehensaufgebot. Sein Amtssitz, meist eine landesherrliche Burg, wurde als Vogtei bezeichnet. Man unterschied Stadtvögte, Amtsvögte und Landvögte, wobei der Reichslandvogt ein Beauftragter der deutschen Kaiser und Könige war und in der Schweiz der Landvogt oberster Verwalter eines kleineren Territoriums war. Das Amt speiste sich sowohl aus dem spätrömischen advocatus als auch aus der germanischen Munt, einem Schutzverhältnis mit Gewalt- und Vertretungsrecht.

Seit den Karolingern vertrat der Vogt als staatlicher Beamter kirchliche Würdenträger in weltlichen Angelegenheiten, da der Kirche seit der Spätantike solche Vertreter vorgeschrieben waren. Karl der Große ließ ab 802 in den Grafschaften Vögte in klösterlichen und bischöflichen Immunitäten einsetzen. Die Schirmvogtei führte mehrfach zu helfendem Eingreifen, wie unter Heinrich III., zugleich aber zum das Mittelalter durchziehenden Streit zwischen Staat und Kirche. Im 11. und 12. Jahrhundert wurde das Amt zu einem erblichen Lehen des Hochadels und diente der Macht- und Gebietsexpansion. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verloren die Vogteien ihre Bedeutung.

Weil im Mittelalter kein staatliches Gewaltmonopol existierte, waren Geistliche, denen Gewaltausübung untersagt war, auf bewaffneten Schutz durch adelige Vögte angewiesen. Seit dem 9. Jahrhundert wurde eine dauerhafte Bindung an einen Vogt nötig, und seit der Mitte des 9. Jahrhunderts wurden Vogteien vielfach erblich, wodurch adelige Vögte starke Machtstellungen erlangten. Aus diesen ursprünglich begrenzten Kompetenzen entwickelte sich im Spätmittelalter häufig eine umfassende Obrigkeit; Vögte konnten niedere Gerichtsbarkeit, Wehrhoheit, Steuern und Frondienste an sich bringen. Die Vogtei wurde damit vielfach zu einer wesentlichen Grundlage der Territorienbildung adliger Herrscher, und im Gefolge der Reformation gelang es evangelisch gewordenen Vögten, unter ihrer Vogtei stehende Klöster zu säkularisieren und in ihr Territorium einzugliedern.

Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Vogtei im römisch-deutschen Reich zunehmend zu einer Ämterorganisation, in der Vögte Steuern festlegten, eintrieben und Gericht hielten. Reichslandvögte sollten seit dem 13. Jahrhundert verlorenes Reichsgut vor allem in Schwaben und dem Elsass wiedergewinnen, während seit dem späten 13. Jahrhundert Landvogteien östlich der Elbe gebildet wurden. Zwischen 1403 und 1512 entstanden im heutigen Kanton Tessin acht Ennetbirgische Vogteien. Auch außerhalb des deutschen Sprachraums, etwa in den Niederlanden, Belgien, im Aostatal, auf den Kanalinseln und in Polen, bestanden vergleichbare Ämter unter verschiedenen Bezeichnungen.

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Grundlage: Wikipedia-Artikel VogtVersionsgeschichteBearbeitungsstand 265796661redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0