Walther von der Vogelweide
Spruchdichter und Minnesänger des Mittelalters
ber Walthers Leben gibt es kaum zeitgenössische Quellen. Die einzige belegte Nennung findet sich in den Reisekosten des Passauer Bischofs Wolfger von Erla vom 12. November 1203, als Walther für einen Pelzmantel fünf Schilling erhielt. Das zeigt seine soziale Stellung nahe den engeren Mitarbeitern des Bischofs. Ansonsten stammen alle Informationen aus seinen eigenen Liedern und aus Erwähnungen anderer Dichter. Wolfram von Eschenbach erwähnt ihn respektvoll, Gottfried von Straßburg nennt ihn nach Reinmars Tod den größten Lyriker. Kritisch äußern sich Thomasîn von Zerclaere über seine papstfeindliche Haltung und Ulrich von Singenberg in einer Parodie auf Walthers Bitte an König Friedrich II. um ein Lehen. Ob sich Angriffe Reinmars von Hagenau und Neidharts von Reuental wirklich gegen Walther richten, wird teils bezweifelt, doch die Fehde mit beiden gilt als weitgehend nachweisbar.
Nach seiner Jugendzeit am Wiener Hof, wo er bis zum Tod Herzog Friedrichs I. von Österreich im Frühjahr 1198 wirkte, erhielt Walther ein Engagement am Hof des staufischen Thronkandidaten Philipp von Schwaben und machte Propaganda gegen den welfischen Gegenkandidaten Otto. Zur Krönung Philipps im September 1198 in Mainz entstanden entsprechende Sprüche, ebenso zum Weihnachtsfest, das Philipp 1199 in Magdeburg beging. Im Spießbratenspruch von wahrscheinlich Mai 1204 wird bereits Kritik an Philipp erkennbar. 1200 verfasste Walther anlässlich der Schwertleite Herzog Leopolds VI. ein Huldigungsgedicht und kehrte damit zumindest zeitweise nach Wien zurück. Am besten dokumentiert ist sein Aufenthalt am Hof Hermanns I., Landgraf von Thüringen, der sich auch in ironischen Bemerkungen Wolframs von Eschenbach spiegelt. Walther scheint dort auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein und beklagt sich über den Lärm betrunkener Ritter.
Ein Hauptthema Walthers politischer Dichtung war die Reichspolitik, die nach der Beilegung des Investiturstreites durch das Wormser Konkordat weiterhin von Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst geprägt war. Vom Streit zwischen Philipp und Otto ab 1198 bis zum Kreuzzugsappell im Herbst 1227 stand Walther meist auf der anderen Seite als der jeweilige Papst. Gegen Innozenz III. richtete er scharfe Aussprüche, unter Otto polemisierte er gegen dessen Geldsammlungen für den angeblichen Kreuzzug. Im Kreuzzugsappell von 1227 betonte er, der Kreuzzug sei Sache der Ritter und der Kaiser ihr Anführer, während Papst Gregor IX. die Oberhoheit über Friedrich II. durchsetzen wollte und diesen bannte. Walther blieb bis zuletzt Gegner der päpstlichen Forderung nach Unterstellung des Kaisers.