Wilhelm von Grumbach
Ritter und Abenteurer
558 versuchte Wilhelm von Grumbach, sich des Würzburger Bischofs Melchior Zobel von Giebelstadt zu bemächtigen. Sein Diener Christoph Kretzer und Helfer verkleideten sich als Kaufleute und warteten am 15. April an der Alten Mainbrücke auf den Bischof. Kretzer erschoss Zobel und zwei Begleiter, Fuchs von Wonfurt und Carl von Wenkheim, und entkam zunächst. Grumbach war selbst nicht anwesend; eigentlich hatte er den Bischof lebend entführen wollen, um Lösegeld zu erzwingen. Kretzer wurde später in Lothringen gefasst, gestand die Tat und starb, bevor ihm der Prozess gemacht wurde.
Grumbach nutzte Flugschriften, um sich als enteigneten Vasallen darzustellen, und gewann damit die Sympathie der Reichsritterschaft, die durch die Reichsreform marginalisiert worden war. Nach der Einnahme Würzburgs forderte der Ritter Albrecht von Rosenberg eine Revision aller Verträge des Stifts mit der Ritterschaft. Im Februar 1564 veröffentlichten Grumbach und Ernst von Mandelsloh ein Manifest, das ihre Sache als die des gesamten Adels darstellte. Die Fürsten befürchteten eine Verschwörung und ließen zur Absicherung 1.500 Reiter unter Kurfürst August von Sachsen und Herzog Wilhelm von Jülich anwerben. Kaiser Maximilian II. übergab die Sache 1566 dem Reichstag, wo nur die Fürsten entscheiden würden. Grumbach nutzte die verbleibende Zeit, um Edelleute aus Pommern, der Grafschaft Mark, Mecklenburg, Braunschweig, Halberstadt und Magdeburg zu mobilisieren und präsentierte schließlich neun Grafen und 130 Ritter als seine Beistände.
Auf dem Augsburger Reichstag im März 1566 erging am 7. Mai der einstimmige Beschluss, die Acht gegen alle Beteiligten wegen Landfriedensbruchs zu erneuern und zu vollstrecken. Kurfürst August von Sachsen wurde mit der Ausführung beauftragt und schoss, da Hilfe aus dem Reich nur stockend anlief, 678.000 Gulden aus seiner eigenen Schatzkammer vor. Herzog Johann Friedrich verweigerte die Auslieferung Grumbachs, worauf am 12. Dezember 1566 auch gegen ihn persönlich die Acht ausgesprochen wurde. Erst als August in Erfurt Truppen sammelte, rüstete der Herzog mit knapp 3.000 Mann Landvolk, 300 Söldnern und 700 Bürgern. Augusts Heer von 5.489 Reitern und etwa 10.000 Fußsoldaten schloss Ende Dezember Gotha und die Feste Grimmenstein ein; die Belagerten leisteten fünfzehn Wochen Widerstand.
In den Befragungen, denen Kurfürst August persönlich hinter einem Vorhang beiwohnte, wurden Grumbachs Ziele deutlich: die Berufung auf den Kaiser, die Feindschaft gegen den Landesstaat und die Rechtfertigung der Fehde durch einen vom Fürsten unabhängigen Adel. Der Vorwurf eines geplanten Adelsaufstands spielte in der Begründung der Todesurteile eine wesentliche Rolle. Am 18. April 1567 wurden Wilhelm von Grumbach, Kanzler Christian Brück und Wilhelm von Stein auf dem Marktplatz von Gotha gevierteilt. Grumbach wurde vor der Vierteilung das Herz aus dem Körper gerissen, der Engelseher Hannes Tausendschön wurde gehängt, die übrigen Geächteten mit dem Schwert gerichtet. Die Körperteile der Gevierteilten wurden auf zwölf Stangen vor den Toren Gothas ausgehängt.