Frankfurt am Main
bevölkerungsreichste Stadt in Hessen, Deutschland
Der Name
ranconofurd oder Francorum vadus lautet der Name der Siedlung auf dem Domhügel in den ersten urkundlichen Erwähnungen 794 in altfränkischer und lateinischer Sprache. Beides bedeutet Furt der Franken und bezieht sich auf eine Felsbarriere im Untergrund des Mains. An dieser Stelle, wahrscheinlich etwas oberhalb der heutigen Alten Brücke, ließ sich der Fluss bei normalem Wasserstand gefahrlos überqueren. Nach dem Abzug der Römer um das Jahr 260 übernahmen die Alamannen den Domhügel. Etwa um 530 lösten die Franken die Alamannen in der Herrschaft über das Untermaingebiet ab. Wahrscheinlich nutzten die neuen Herrscher die Furt als wichtigen Verkehrsweg, den ihre Handelspartner deshalb Frankenfurt nannten.
1014 bis 1017 schrieb der Chronist Thietmar von Merseburg eine bekannte Legende von der Gründung der Stadt durch Karl den Großen nieder. Er verband sie mit den Sachsenkriegen; tatsächlich führte Karl der Große niemals in der Maingegend Krieg gegen die Sachsen. Ein anderer Gründungsmythos war bis ins 18. Jahrhundert populär: Helenos, ein Sohn des Priamos, soll sich nach seiner Flucht aus dem zerstörten Troja am Main niedergelassen und eine Stadt namens Helenopolis gegründet haben. Um das Jahr 130 nach Christus soll ein gewisser Francus, ein Herzog der Hogier, die alte Stadt wiederhergestellt und nach seinem Namen Franckenfurt genannt haben. Die Namensform Franconofurd entwickelte sich im Mittelalter zu Frankenfort, in der Neuzeit zu Franckfort und Franckfurth.
Vor- und Frühgeschichte
Eine ständige Besiedelung des Domhügels und des Römerbergs lässt sich erst für die römische Zeit des ausgehenden 1. Jahrhunderts nachweisen. Nahe der Furt existierte wahrscheinlich ein kleines römisches Militärlager mit einer Badeanlage, das im 2. Jahrhundert durch ein Gutshaus, eine Villa rustica, ersetzt wurde. An dessen Stelle entstand in merowingischer Zeit ein fränkischer Königshof, die Keimzelle Frankfurts. Im Norden des heutigen Stadtgebiets bestand von der Mitte des 1. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts die Römerstadt Nida, Hauptort der Civitas Taunensium. Nach der Rückverlegung der Reichsgrenze an den Rhein im Jahr 260 wurde die kleine Stadt verlassen.
Pfalz, Privilegien, Reichsstadt
Der Name Frankfurt wurde erstmals am 22. Februar 794 in einer Urkunde Karls des Großen für das Regensburger Kloster St. Emmeram erwähnt. Im Juni 794 versammelten sich in der fränkischen Königspfalz wichtige Kirchenvertreter des Reiches in der Synode von Frankfurt. 843 wurde Frankfurt die zeitweise wichtigste königliche Pfalz der Ostfranken und Ort von Reichstagen. 1220 schaffte Kaiser Friedrich II. das Amt des Reichsvogtes ab. An die Stelle dieses Ministerialen trat der vom Kaiser eingesetzte Reichsschultheiß als Oberhaupt der sonst selbstverwalteten Bürgerschaft.
Im 13. und 14. Jahrhundert erlangte die Stadt immer mehr Privilegien und Regalien, 1240 die jährliche Herbstmesse und 1330 die Frühjahrsmesse. 1266 wird der aus 42 Patriziern und zünftigen Handwerksmeistern bestehende Rat der Stadt erstmals erwähnt. Seit 1311 wählte der Rat jährlich zwei Bürgermeister als Stadtoberhäupter. Mit dem Erwerb des Schultheißenamts erreichte Frankfurt 1372 die volle Souveränität als Reichsstadt. Die Goldene Bulle von 1356 bestätigte Frankfurt als rechtmäßige Wahlstadt der römischen Könige, nachdem hier schon seit 1147 die meisten Königswahlen stattgefunden hatten. Ab 1562 fanden die Kaiserkrönungen in Frankfurt statt, zuletzt 1792 die des Habsburgers Franz II. Der Krönungsweg führte vom Kaiserdom St. Bartholomäus über den Markt zum Römer.
1742 wurde Frankfurt für fast drei Jahre Residenzstadt. Da der aus dem Hause Wittelsbach stammende Kaiser Karl VII. nach seiner Krönung nicht in das von habsburgischen Truppen besetzte Kurfürstentum Bayern zurückkehren konnte, lebte er bis Oktober 1744 im Palais Barckhaus an der Zeil. Mit dem Ende des Alten Reiches endete die Souveränität Frankfurts als Reichsstadt. Am 12. Juli 1806 fiel die Stadt unter die Herrschaft des Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg, der sie mit dem Fürstentum Regensburg, dem Fürstentum Aschaffenburg und der Reichsstadt Wetzlar zu einem selbständigen Staat innerhalb des Rheinbundes vereinigte. 1810 trat Dalberg das Fürstentum Regensburg an Bayern ab, erhielt Hanau und Fulda und wurde Großherzog von Frankfurt. Von 1810 bis 1813 war die Stadt Hauptstadt des Departement Frankfurt.
Die Freie Stadt
Mit dem Zusammenbruch des napoleonischen Systems dankte Dalberg am 28. Oktober 1813 ab. Am 14. Dezember 1813 wurde die Unabhängigkeit der Stadt und ihres Territoriums wiederhergestellt und die reichsstädtische Verfassung wieder in Kraft gesetzt. Auf dem Wiener Kongress plante das Königreich Bayern die Annexion Frankfurts, doch beschloss der Kongress am 8. Juni 1815 die Wiederherstellung Frankfurts als Freie Stadt innerhalb des Deutschen Bundes. Es war damit neben Hamburg, Bremen und Lübeck eine von vier Freien Städten. Die Stadt gab sich die Konstitutionsergänzungsakte und den Wahlspruch Stark im Recht. Der Bundestag des Deutschen Bundes richtete sich in Frankfurt ein.
1833 scheiterte der Frankfurter Wachensturm, ein Versuch, eine allgemeine Revolution in Deutschland auszulösen. 1848 kam es zur Märzrevolution; die Nationalversammlung tagte in der Frankfurter Paulskirche und erarbeitete mit der Paulskirchenverfassung die erste gesamtdeutsche und demokratische Verfassung Deutschlands. 1863 endete der Frankfurter Fürstentag erfolglos. Im Deutschen Krieg 1866 blieb Frankfurt bundestreu. Am 18. Juli wurde die Stadt während des Mainfeldzugs von der preußischen Mainarmee besetzt und mit schweren Kontributionen belegt. Am 2. Oktober annektierte Preußen die Stadt, die damit endgültig ihre Unabhängigkeit verlor. 1868 führte Preußen die Magistratsverfassung mit einem Oberbürgermeister ein. 1871 wurde in Frankfurt der Deutsch-Französische Krieg mit dem Frankfurter Frieden offiziell beendet.
Industrie, Wachstum, Zerstörung
Für die Entwicklung zu einem Industriezentrum war die Annexion vorteilhaft. Zwischen 1877 und 1910 gemeindete Frankfurt zahlreiche umliegende Orte ein und vergrößerte seine Fläche von 70 auf 135 Quadratkilometer. 1914 wurde die von Frankfurter Bürgern gestiftete Universität eröffnet. In den 1920er Jahren erlebte Frankfurt eine kulturelle Blüte, unter anderem durch das städtebauliche Programm des Neuen Frankfurt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 11.134 Juden aus Frankfurt deportiert; nur 367 von ihnen überlebten den Holocaust. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten alliierte Luftangriffe etwa 70 Prozent der Gebäude, darunter fast die gesamte Alt- und Innenstadt. Am 29. März 1945 endeten die Kampfhandlungen im Stadtgebiet.
Nach 1945
Nach Kriegsende richteten die Streitkräfte der USA ihr europäisches Hauptquartier in Frankfurt ein. 1946 wurde die Stadt dem neugebildeten Land Groß-Hessen zugeordnet. 1947 nahm der Wirtschaftsrat der Bizone seinen Sitz in Frankfurt. Bei der Wahl zur Bundeshauptstadt unterlag Frankfurt am 10. Mai 1949 gegen Konrad Adenauers Favoriten Bonn. Ein Parlamentsgebäude war bereits gebaut worden; es beherbergt seitdem den Hessischen Rundfunk. Der Wiederaufbau in den 1950er Jahren orientierte sich nicht an den alten städtebaulichen Strukturen. 1998 wurde Frankfurt Sitz der Europäischen Zentralbank.
Konfessionen
Die Stadt galt seit der Reformation als protestantisch, wenngleich das katholische Gemeindeleben niemals ganz erlosch. 1533 führte die Freie Reichsstadt die Reformation ein. Nach dem Augsburger Interim von 1548 wurden die katholischen Stiftskirchen und Klöster an die katholische Kirche zurückgegeben, um den Konflikt mit dem katholischen Kaiser zu vermeiden und die städtischen Privilegien, vor allem die Messen und die Kaiserwahlen, nicht zu gefährden. Die wenigen verbliebenen Katholiken hatten seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 Glaubensfreiheit, konnten jedoch bis 1806 nur in Ausnahmefällen das Bürgerrecht erwerben. Aus Frankreich kamen verfolgte Hugenotten, die 1554 die erste Gemeinde von Réfugiés in Deutschland entstehen ließen.
Eine jüdische Gemeinde wird in Frankfurt erstmals 1150 erwähnt. Zweimal, 1241 und 1349, wurden die Frankfurter Juden im Mittelalter Opfer von Pogromen. Von 1462 bis 1796 mussten sie in einem Ghetto leben, der Judengasse. 1806 verfügte Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg die Gleichberechtigung aller Juden und Christen. 1816 schränkte die Freie Stadt Frankfurt in der Konstitutionsergänzungsakte die Bürgerrechte der Juden teilweise wieder ein. Während der antijüdischen Hep-Hep-Krawalle war Frankfurt zwischen dem 8. und 12. August 1819 Schauplatz der neben Würzburg schwersten Gewaltexzesse. Erst 1864 gewährte Frankfurt als dritter deutscher Staat nach Hamburg und Baden den Juden die uneingeschränkte Gleichberechtigung.