Königswahl von 1002
Entscheidung in der Nachfolgefrage
ls Nachfolger kamen in erster Linie die Herzöge des Reiches in Frage. Ekkehard I. von Meißen bewarb sich als Markgraf aktiv, wurde von Otto III. besonders geschätzt und soll von den Thüringern zum Herzog erhoben worden sein. Als aussichtsreichster Kandidat galt zunächst Hermann II. von Schwaben aus dem Haus der Konradiner, dem sich die Mehrheit der Fürsten bei Ottos Beisetzung in Aachen anschloss. Heinrich IV. von Bayern, Sohn Heinrichs des Zänkers und neben seinem Bruder Brun einziger verbliebener Liudolfinger, erhob ebenfalls Anspruch, unterstützt durch eine Stiftung für den Toten und Kontakte zu Otto von Worms, der zu seinen Gunsten verzichtete. Auch Ezzo von Lothringen und Brun von Braunschweig wurden als mögliche Kandidaten genannt.
Ekkehard von Meißen trat nach Ottos Tod den Kampf um die Nachfolge an. Eine Zusammenkunft sächsischer Fürsten in Frohse an der Elbe vertagte sich ohne Ergebnis auf Werla. Dort gelang es Heinrich von Schweinfurt, die Versammlung durch Geschenke und den Hinweis auf Heinrichs Zugehörigkeit zu den Liudolfingern für Heinrich von Bayern zu gewinnen, unterstützt von dessen Schwestern Sophia und Adelheid. Ekkehard gab seine Ansprüche jedoch nicht auf und wurde in Hildesheim wie ein künftiger König empfangen. Auf dem Rückweg von Verhandlungen mit Hermann von Schwaben wurde er am 30. April 1002 in Pöhlde von Graf Siegfried von Northeim sowie Heinrich und Udo von Katlenburg überfallen und getötet, offenbar aus Rache.
Nach Werla zog Heinrich von Bayern mit militärischer Unterstützung nach Mainz. Erzbischof Willigis sagte ihm die Krönung im Mainzer Dom zu. Am 7. Juni 1002 ließ Heinrich die anwesenden Fürsten abstimmen, ohne eine allgemeine Wahlversammlung abzuwarten. Mit den Stimmen Bayerns und des östlichen Franken, gegen Schwaben und ohne Beteiligung von Lothringen, Sachsen und Thüringen, wurde er gewählt und sofort von Willigis gekrönt. Diese Wahl entsprach in Ort, fehlender Thronsetzung und fehlender allgemeiner Beteiligung nicht der Tradition.
Weil die allgemeine Wahl fehlte, holte Heinrich die Huldigungen durch einen monatelangen Königsumritt ein, ein bei den Merowingern übliches, später entfallenes Verfahren. Der Umritt führte über Thüringen, Sachsen, Niederlothringen, Schwaben und Bayern nach Oberlothringen. Wegen des Widerstands Hermanns von Schwaben zog Heinrich zunächst gegen ihn, huldigte dann den Thüringern in Kirchberg bei Jena am 20. Juli 1002 und verhandelte vom 24. bis 28. Juli in Merseburg mit den sächsischen Großen. Man einigte sich auf gegenseitige Anerkennung, Heinrich unterwarf sich der separaten Erhebung durch die Sachsen und erhielt von Herzog Bernhard die Heilige Lanze. Weitere Krönungen und Huldigungen folgten in Paderborn, Duisburg, Aachen, Bruchsal und schließlich am 15. Januar 1003 in Diedenhofen.