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Konfessionalisierung

europäische Entwicklung nach der Reformation

ie Theorie baut auf Ernst Walter Zeeden auf, der in den 1950er Jahren als erster die Konfessionsbildung beschrieb. Damit meinte er vor allem innerkirchliche Wandlungsprozesse während der Konsolidierung nach der Reformationszeit: die geistige und organisatorische Verfestigung der auseinanderstrebenden christlichen Bekenntnisse zu einem stabilen Kirchentum nach Dogma, Verfassung und Lebensform. Zeeden verwendete dabei bereits den Begriff des konfessionellen Zeitalters.

Ende der 1970er Jahre entwickelten Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling unabhängig voneinander die eigentliche Konfessionalisierungstheorie. Schilling verstand die Konfessionalisierung als gesellschaftlichen Fundamentalvorgang, der öffentliches und privates Leben in Europa tiefgreifend veränderte, verzahnt mit der Herausbildung des frühmodernen Staates und einer disziplinierten Untertanengesellschaft. Die Spaltung der Christenheit habe demnach nicht nur Kirche und Religion, sondern alle Bereiche der Gesellschaft verändert, wobei sich die drei großen Bekenntnisse in vergleichbaren, zeitlich parallelen Mustern entwickelten. So wird die Institutionalisierung der katholischen Reform nach dem Abschluss des Konzils von Trient in den 1560er Jahren mit der Ausbreitung der zweiten Reformation des reformierten Bekenntnisses parallelisiert, während sich auch die lutherische Konfession erst dann institutionell verfestigte. Damit wurde der Begriff Reformation und Gegenreformation, der die Gegenreformation als rückschrittlich wertete, durch eine Betonung der Modernisierung abgelöst.

Reinhard und Schilling entwickelten je ein Modell, Reinhard für die inhaltliche, Schilling für die zeitliche Analyse. Reinhard stützte die Geschlossenheit der Konfession auf Punkte wie theologische Klarheit, Normendurchsetzung, Propaganda, Bildung und Disziplinierung. Schilling gliederte die Zeit der Konfessionalisierung im Heiligen Römischen Reich in vier Phasen: eine vorkonfessionelle Phase von den späten 1540er bis frühen 1570er Jahren, eine Überleitung zur konfessionellen Konfrontation in den 1570er Jahren, den Höhepunkt von den 1580er bis 1620er Jahren und den Abschluss vor allem nach dem Westfälischen Frieden 1648. Reinhard sah einen weiteren Rahmen: Beginn mit den fürstlichen Kirchenvisitationen in den 1520er Jahren, Ende erst mit Prozessen in Frankreich und Großbritannien 1685 beziehungsweise 1688 bis 1707 und der Vertreibung der Salzburger Lutheraner 1731.

Seit den 1990er Jahren wenden sich Historiker gegen die ursprünglich etatistische, staatszentrierte Konzeption. Heinrich Richard Schmidt gilt als Vorreiter einer Konfessionsbildung von unten, die Gemeinden, Städte und einzelne Untertanen einbezieht. Winfried Schulze erkennt in den neugebildeten Konfessionen keinen Modernisierungsimpuls, und Michael Stolleis hält daran fest, dass der frühneuzeitliche Staat nicht durch konfessionelle Bindung, sondern durch Säkularisierung entstanden sei. Auch wurde darauf hingewiesen, dass sich eine konfessionelle Identität in der Bevölkerung erst im 19. Jahrhundert tiefgreifend ausgebildet habe.

Drei Wege weiter

Grundlage: Wikipedia-Artikel KonfessionalisierungVersionsgeschichteBearbeitungsstand 269595923redaktionell gekürzt und umformuliert, CC BY-SA 4.0