Reservatum ecclesiasticum
Klausel im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden
ie evangelischen Reichsstände beklagten die Klausel früh. König Ferdinand I. gab deshalb 1555 im Rahmen der Verhandlungen zum Augsburger Religionsfrieden die Declaratio Ferdinandea ab. Sie erlaubte landsässigen protestantischen Rittern und Städten in geistlichen Territorien, die lutherische Konfession zu praktizieren. Der Landbevölkerung wurde dieses Recht nicht eingeräumt. Die Gültigkeit der Declaratio Ferdinandea blieb zwischen Katholiken und Protestanten umstritten. Politisch sicherte die Klausel eine katholische Mehrheit unter den sieben Kurfürsten nahezu, da sich das Königreich Böhmen seit 1526 in habsburgischer Hand befand und die drei geistlichen Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln nicht konvertieren konnten, ohne ihr Amt zu verlieren.
Insbesondere in Norddeutschland wurde das Reservatum ecclesiasticum oft nicht eingehalten. Seit 1566 stand das Erzbistum Magdeburg unter der Aufsicht protestantischer Administratoren und wurde evangelisch. Das Domkapitel des Erzbistums Bremen war seit ca. 1560 mehrheitlich evangelisch und ebenfalls protestantisch verwaltet. Beide Erzstifte wurden im Westfälischen Frieden in weltliche Territorien umgewandelt. 1583 konvertierte der Kölner Erzbischof Gebhard I., Truchsess von Waldburg, zum evangelischen Glauben und heiratete. Er proklamierte Konfessionsfreiheit und wollte das Kurfürstentum in ein weltliches Herzogtum umwandeln. Das Domkapitel widersetzte sich. Der Konflikt wurde durch die spanisch-niederländische Frontstellung beeinflusst und entwickelte sich durch beteiligte Hilfstruppen zum Truchsessischen Krieg. Im Ergebnis blieb Kurköln katholisch.
Auch im Dreißigjährigen Krieg, in dem sich allgemeinpolitische und religionspolitische Motive verbanden, spielte die Reservatsklausel eine wichtige Rolle. 1629 versuchte Kaiser Ferdinand II. mit dem Restitutionsedikt, die Rückgabe der von Protestanten verwalteten ehemaligen geistlichen Territorien und deren Rekatholisierung zu erzwingen. Die Weigerung Magdeburgs führte zur völligen Zerstörung der Stadt. König Gustav II. Adolf von Schweden trat auf Seiten der Protestanten in den Krieg ein.