Wie legt man eine Krone nieder, die tausend Jahre getragen wurde?
Erklärungen zu den Detailstellen nach Wikipedia: Reichskrone, Wikimedia Commons: Weltliche Schatzkammer Wien (189)2.JPG · CC BY-SA 4.0
In der Sammlungranz Joseph Karl, geboren am 12. Februar 1768 in Florenz, gestorben am 2. März 1835 in Wien, stammte aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Von 1792 bis 1806 war er als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 1804 begründete er das Kaisertum Österreich und regierte es als Franz I. bis zu seinem Tod. Den neuen Titel nahm er an, um dem Hegemoniestreben Napoleon Bonapartes zu begegnen und einem Statusverlust vorzubeugen. Am 6. August 1806 legte er die deutsche Kaiserkrone nieder und entband die Stände ihrer Pflichten. Faktisch war das Reich durch den Rheinbund gesprengt worden. Bis 1835 blieb Franz König von Böhmen, Kroatien und Ungarn.
Zwei Kaiserkronen
Am 11. August 1804 erklärte sich Franz II. zum Kaiser von Österreich und begründete das Kaisertum Österreich. Er wollte seine Hausmacht erhalten und die Ranggleichheit mit Napoleon I. wahren, der sich am 2. Dezember 1804 selbst zum erblichen Kaiser der Franzosen krönte. Zugleich trug er der Veränderung im Kurkollegium von 1803 Rechnung: Durch den Reichsdeputationshauptschluss fielen die katholischen Kurfürstentümer Köln, Mainz und Trier weg, Baden, Württemberg und Hessen kamen hinzu. Eine neuerliche Wahl eines Habsburgers erschien fraglich. Eine rechtliche Grundlage gab es nicht, doch der Titel wurde binnen kurzer Zeit anerkannt. Am 6. August 1806 legte Franz die römische Kaiserkrone nieder. Zwei Jahre lang war er Doppelkaiser.
Wer hat im Reich das Sagen?
Keine Station allein beantwortet die Frage. Zusammen erzählen sie, wie sich das Gewicht in tausend Jahren verschoben hat:
- Kaiser und Papst — Der Papst setzt Karl die Kaiserkrone auf — doch die Krönung war nicht spontan: Karl hatte darauf hingearbeitet.
- Fürsten und Papst — Den König wählen die Großen: 919 Heinrich I., auf Empfehlung seines sterbenden Gegners. Die Kaiserkrone empfängt Otto I. 962 vom Papst.
- Papst und Fürsten — Der Papst setzt den König ab und löst die Treueide. Was daraus folgt, entscheiden die Fürsten: Sie setzen Heinrich eine Frist.
- Kaiser und Städte — In Roncaglia beansprucht der Kaiser alle Herrschafts- und Gerichtsrechte. 1183 muss er die Selbstverwaltung der Städte anerkennen.
- Fürsten und Städte — Den König wählen sieben Fürsten, der Papst verweigert die Bestätigung. Für den Landfrieden sorgen Städte und Herren derweil selbst.
- Kurfürsten — Die sieben Kurfürsten wählen den König mit Mehrheit. Die Zustimmung des Papstes ist dafür nicht mehr nötig.
- Kaiser und Stände — Die Reform tragen die Reichsstände: Ihr Wortführer setzt Landfrieden und Reichskammergericht durch, ein Reichsregiment scheitert an ihnen.
- Kaiser und Reichstag — Vor Kaiser und Reichstag verweigert Luther den Widerruf. Als das Wormser Edikt ihn im ganzen Reich ächtet, ist er bereits auf der Wartburg.
- Landesherren — Wer das Land regiert, bestimmt den Glauben. Der Kaiser hat keine religiösen Kompetenzen mehr — ein Sieg der Territorialherren über das Reich.
- Die Mächte Europas — Aus dem Aufstand in Böhmen wird ein Kampf um die Vorherrschaft im Reich und in Europa. Frankreich führt den Krieg mit eigenen Truppen.
- Stände und Kaiser — Der Friede schreibt die Rechte der Reichsstände gegenüber dem Kaiser fest — eine neue Machtbalance zwischen Ständen, Kaiser und Reichsinstitutionen.
- Von außen — Am Ende entscheidet es sich von außen: Der Rheinbund sprengt das Reich, und Franz II. legt die Krone nieder.
Was zwischen den Stationen geschah, wo es geschah und was davon geblieben ist, findet sich auf der Karte, in der Sammlung und im Verzeichnis.