Rundgang verlassen und frei weiterlesen
Station 08 · Reformation

Was passiert, wenn der Glaube das Reich spaltet?

Luther auf dem Reichstag zu Worms

Erklärungen zu den Detailstellen nach Wikimedia Commons: Luther-in-Worms-auf-Rt.jpg, Wikipedia: Martin Luther · CC BY-SA 4.0

In der Sammlung

artin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben in der Grafschaft Mansfeld geboren und starb dort am 18. Februar 1546. Er war Augustinereremit und Theologieprofessor und wurde zum Urheber der Reformation. Grundlage des christlichen Glaubens war für ihn allein Gottes Gnadenzusage und die Rechtfertigung durch Jesus Christus. Auf dieser Basis wollte er Fehlentwicklungen der römisch-katholischen Kirche beseitigen und sie nach dem Evangelium in ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherstellen. Entgegen seiner Absicht kam es zur Kirchenspaltung; es entstanden evangelisch-lutherische Kirchen und weitere Konfessionen des Protestantismus. Lutherbibel, Theologie und Kirchenpolitik veränderten Gesellschaft und Kultur Europas in der Frühen Neuzeit. Auch die neuhochdeutsche Sprache prägte er entscheidend.

Ablass und 95 Thesen

Die auf den 31. März 1515 datierte Ablassbulle von Papst Leo X. sollte dem Neubau des Petersdoms dienen und dem Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg Einnahmen zum Bezahlen seiner Schulden beim Bankhaus der Fugger verschaffen. Ab 22. Januar 1517 ließ der Dominikaner Johann Tetzel eine vergröbernde Version der Ablassanweisung drucken. Im Spätsommer 1517 bekam Luther sie zu lesen. Am 31. Oktober 1517 schrieb er an den Mainzer Erzbischof, unterschrieb als Doktor der Theologie und legte dem Brief seine 95 Thesen bei. Die Thesen kursierten in Handschriften und wurden im Dezember 1517 in Nürnberg, Leipzig und Basel gedruckt. Melanchthon zufolge soll Luther sie am 31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche angeschlagen haben.

Worms und die Reichsacht

Am 3. Januar 1521 wurde Luther mit der Bannbulle Decet Romanum Pontificem exkommuniziert. Am 17. April 1521 stand er vor Kaiser Karl V. und dem Reichstag zu Worms, wurde vor den Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit lehnte er ab. In einem Hohlweg bei der Burg Altenstein fand am 4. Mai der geplante Überfall auf Luthers Reisewagen statt; er wurde auf Umwegen zur Wartburg gebracht. Am 26. Mai 1521 verhängte der Reichstag das vom Kaiser gezeichnete Wormser Edikt über ihn. Es verbot im gesamten Reich, Luther zu unterstützen, seine Schriften zu lesen oder zu drucken.

Den ganzen Artikel „Martin Luther“ lesen

Nächste Station · 09 Augsburg 1555

34 Jahre später

Das Wormser Edikt verbietet Luthers Schriften im ganzen Reich, und doch breitet sich die Reformation aus. Der Kaiser siegt 1547 im Schmalkaldischen Krieg — und muss fünf Jahre später vor den eigenen Fürsten fliehen.

Kann ein Reich mit zwei Konfessionen bestehen?