Was steht auf dem Spiel, wenn ein König vor einem Papst wartet?
Erklärungen zu den Detailstellen nach Wikipedia: Gang nach Canossa, Wikipedia: Heinrich IV. (HRR) · CC BY-SA 4.0
In der Sammlungeinrich IV. wurde am 11. November 1050 vermutlich in Goslar geboren und starb am 7. August 1106 in Lüttich. Er stammte aus der Familie der Salier und war der älteste Sohn Kaiser Heinrichs III. und der Kaiserin Agnes. Ab 1053 war er Mitkönig, ab 1056 römisch-deutscher König, von 1084 bis zur erzwungenen Abdankung am 31. Dezember 1105 Kaiser. Er war der letzte König des römisch-deutschen Mittelalters, der als Minderjähriger auf den Thron kam. Sein Burgenbau in Sachsen löste den Sachsenkrieg aus. Der Streit mit dem Reformpapsttum führte 1076 zu Absetzung und Exkommunikation durch Gregor VII. 1077 unterwarf er sich in Canossa. Die Fürsten wählten die Gegenkönige Rudolf von Rheinfelden und Hermann von Salm.
Exkommunikation 1076
Am 28. September 1075 investierte Heinrich gegen den päpstlichen Willen den Kleriker Tedald mit dem Erzbistum Mailand. Am Neujahrstag 1076 überbrachten Gesandte einen Brief Gregors VII., der Gehorsam forderte. Heinrich veröffentlichte die Drohungen und berief die Bischöfe nach Worms. Auf dem Hoftag vom 24. Januar 1076 formulierte er mit den Erzbischöfen Siegfried von Mainz und Udo von Trier sowie 24 weiteren Bischöfen drastische Vorwürfe und forderte Gregor auf: Steige herab, steige herab. Am 22. Februar 1076 setzte Gregor auf der Fastensynode in Rom den König ab, exkommunizierte ihn und löste alle Christen von den Treueiden. Er räumte eine Frist zur Umkehr bis zum 1. August 1076 ein.
Gang nach Canossa 1077
Die Unterstützung Heinrichs schwand nach Ostern rapide. Die Erzbischöfe von Mainz und Trier sowie die Bischöfe von Straßburg, Verdun, Münster, Utrecht, Speyer, Basel und Konstanz distanzierten sich. Die Herzöge Welf von Bayern, Rudolf von Schwaben und Berthold von Kärnten verbanden sich früh gegen den König. Am 16. Oktober trat eine Fürstenversammlung in Trebur zusammen; Heinrich selbst wurde nicht beteiligt. Man teilte ihm mit, er müsse sich bis zum Jahrestag der Exkommunikation vom Bann befreien. Da die Alpenpässe besetzt waren, blieb nur der Weg über den Mont Cenis in Burgund. Gregor begab sich auf die Burg Canossa seiner Parteigängerin Mathilde von Canossa.
Heinrich kam nicht als Führer eines militärischen Aufgebots. Er verbrachte im Büßergewand, barfuß und ohne Herrschaftszeichen drei Tage im Vorhof der Burg. Als Vermittler traten unter anderen sein Taufpate Abt Hugo von Cluny und die Markgräfin Mathilde auf. Am 28. Januar wurde ihm Einlass gewährt. Niederwerfung, Schuldbekenntnis, Absolution und Eucharistiefeier stellten die Gemeinschaft von Papst und König wieder her. Heinrich versprach eidlich, sich der in Trebur beschlossenen Untersuchung seiner Amts- und Lebensführung zu stellen. Die Forschung sieht den Büßergang vor allem als taktischen Schachzug, um der drohenden Absetzung durch die Fürsten zu entgehen.
78 Jahre später
Der Bußgang löst Heinrich vom Bann, doch die Fürsten wählen trotzdem Gegenkönige. Mit den Staufern kommt ein neuer Gegner hinzu: die Städte der Lombardei.
