Was hält ein Reich zusammen, wenn niemand es regiert?
Erklärungen zu den Detailstellen nach Wikimedia Commons: Balduineum Wahl Heinrich VII.jpg · CC BY-SA 4.0
In der Sammlungls Interregnum bezeichnet man in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches die Zeit zwischen der Absetzung Kaiser Friedrichs II. durch Papst Innozenz IV. im Jahre 1245 und der Wahl Rudolfs I. im Jahre 1273. Im Allgemeinen setzt man den Beginn mit dem Tod Friedrichs im Jahre 1250 an, im Besonderen mit dem Tod Konrads IV. im Jahre 1254, selten mit dem Tod Wilhelms von Holland im Jahre 1256. Mit dieser Zeit begann im römisch-deutschen Reich das Spätmittelalter. Heinrich Raspe, Wilhelm von Holland, Alfons von Kastilien und Richard von Cornwall wurden zwar zu Königen gewählt, vermochten aber kaum Herrschergewalt auszuüben.
Die Doppelwahl von 1257
1257 wählten die sieben wahlberechtigten Fürsten Alfons von Kastilien und Richard von Cornwall gleichzeitig zu Königen. Beide waren verwandtschaftlich mit dem Staufergeschlecht verbunden: Alfons war ein Enkel Philipps von Schwaben, Richard der Schwager Friedrichs II. Beide Kandidaten erhielten je drei Stimmen. Ottokar II. von Böhmen gab beiden seine Stimme und ließ sich dafür jeweils bezahlen. Dieses Patt führte zur Doppelwahl. Allgemeine Anerkennung im Reich erlangte keiner der beiden. Richard von Cornwall starb im April 1272. Alfons forderte daraufhin von Papst Gregor X. die Bestätigung seiner Königswahl, doch der Papst verweigerte die Approbation und bereitete so den Weg für eine Neuwahl.
Der Rheinische Bund
Den ersten Einzelbund schlossen 1254 auf Betreiben des Mainzer Bürgers Arnold von Walpoden die mittelrheinischen Städte Mainz, Worms, Oppenheim und Bingen. Er ging später im Großen Rheinischen Bund der Städte und Herren auf, der 1256 bereits aus 31 Erzbischöfen, Bischöfen, Grafen und Herren bestand und 100 Städte von Bremen bis Basel umfasste. Hauptziel war der Landfrieden und die Beseitigung ungerechtfertigter Zölle und Steuern. Die Städte von Basel bis zur Moselmündung sollten 100, die nördlicher gelegenen 50 Kriegsfahrzeuge bereithalten. Ein Schiedsgericht schlichtete Streit zwischen den Verbündeten. König Wilhelm bestätigte den Bund auf einem Reichstag. Nach seinem Tod eskalierten Streitigkeiten, eine Stadt nach der anderen sagte sich los, der Bund wurde aufgelöst.
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106 Jahre später
1257 hatte ein Wähler seine Stimme beiden Kandidaten gegeben und sich zweimal bezahlen lassen. Hundert Jahre später verlangt ein Gesetz von den Wählern einen Eid: keine geheime Absprache, keine Belohnung, kein Geld.